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Corona-Folgen sorgen für neue Nachfrage nach Coworking

1️⃣ In der zu Wipperfürth gehörenden Ortschaft Heid in Nordrhein- Westfalen, nordöstlich von Köln gelegen, ist ein neuer Workation-Ort in Planung. Wie die Kölner Rundschau berichtet, soll der Milchviehbetrieb auf dem Gut Kremershof zurückgefahren werden. Die Eigentümer:innen wollen ihren Hof stattdessen durch kreative Ideen nachhaltiger und zukunftsfähiger gestalten. Daraufhin haben sich Mona Beckmanns und Lucas Danisch bei den Landwirten mit dem »Hofworking«-Konzept vorgestellt und überzeugen können.

Neben dem Coworking Space sind auch ein multifunktionales Gewächshaus, in dem auch Veranstaltungen und Workshops stattfinden können, sowie ein Parkplatz für Campingfahrzeuge geplant. Gearbeitet werden soll in vollausgestattetet Raumcontainern, die überall auf dem Hof und dem Umland platziert werden können. Ob es auch zur Umsetzung kommt, hängt von der Finanzierung ab. Man hat sich bereits für eine Förderung das »LEADER Bergisches Wasserland« beworben.


2️⃣ Nur 45 Autominuten westlich von Wipperfürth tut sich ebenfalls etwas: Der Coworking Space »Office & Friends« in Olpe in Nordrhein-Westfalen wird sich noch in diesem Frühjahr erweitern, berichtet die Westfalenpost. Eine Fläche im Nachbargebäude konnte dazu gemietet werden und wird nun bis Mai umgebaut. Dadurch sollen 15 weitere Arbeitsplätze, vornehmlich Einzelbüros, und neue Besprechungsräume entstehen. Der Grund dafür ist die gestiegene Nachfrage von Menschen, die nicht mehr im Homeoffice arbeiten wollen und von Firmen, die ihre Angestellten dezentral verteilen möchten, erklärt Community Managerin Marie Christin Junker im Artikel.


3️⃣ Auch das »Coconat« in Klein Glien in Brandenburg muss die wachsende Nachfrage bedienen und wird neben ihrem Workation-Retreat nun auch ein Coworking Space für die Menschen aus der Region schaffen. Herzstück der neuen Coworking-Fläche wird ein historischer S-Bahn-Wagen, schreibt die Märkische Allgemeine. Der Aufbau des neuen Coworking-Angebots auf über 120 m² wird gefördert aus dem Europäischen Sozialfond und vom Land Brandenburg. Genau wie ein weiterer Coworking-Raum Büro im Gebäude des Bahnhofs der Nachbargemeinde Wiesenburg. Auf 20 m² werden hier drei Arbeitsplätze für Menschen aus der Region geschaffen, die nicht mehr jeden Tag nach Berlin oder Dessau pendeln möchten.


4️⃣ In Waffensen, einem Ortsteil der Stadt Rotenburg in Niedersachsen, soll ein Coworking Space auf dem Grundstück des Mehrgenerationenhauses entstehen. Die Idee dazu sei bereits vor Beginn der Corona-Pandemie ein Thema im Dorf gewesen, sagt Ortsbürgermeister Hartmut Leefers. Doch ›die Pandemie wirkt nun aber wie ein Beschleuniger‹, erklärt er im Gespräch mit der Kreiszeitung. Der Bürgermeister bemüht sich nun um Fördermittel für das Vorhaben. Um aber die bereits angemeldeten Nachfrage nach so einem Angebot kurzfristig zu bedienen, soll der Computerraum im Obergeschoss des Mehrgenerationenhauses kurzfristig umgenutzt werden. Ab wann genau, steht noch nicht fest, aber ›am liebsten sofort‹, sagt der Bürgermeister dazu.


5️⃣ Überall in Deutschland, dafür sind die Vorhaben in Heid, Klein Glien und Waffensen nur drei heutige Beispiele, entstehen Orte wie Coworking Spaces und Workation-Retreats im ländlichen Raum. Die neuen Orte schaffen aber nicht nur neue Möglichkeiten, sondern auch neue Herausforderungen. ›Das Gelingen solcher Projekte hängt von der Haltung ab – sowohl der Menschen im Dorf als auch der Neuankömmlinge‹, sagt Philipp Hentschel im Gespräch mit dem Greenpeace Magazin. ›Damit das Klischee der grünen Städter und der konservativen Dörfer aufgebrochen wird, müssen sich die Menschen aufeinander einlassen, ihre Filterblasen verlassen‹. Ein toller Beitrag über die viel diskutierte Stadtflucht mit dem Laptop aufs Land, der einen tollen Einstieg in die Thematik darstellt.

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

Zwei Kommentare zu Coworking-Meldungen in der Zeitung

1️⃣ In der taz las ich heute Morgen den Artikel von Alina Schwermer über in Schwellenländern arbeitende Digital Nomads (bisher nur gedruckt auf Seite 35 zu finden), deren Lebensverhältnisse Erinnerungen an die Kolonialzeit wecken. Darin schreibt sie u.a. diesen Satz: »Letztens brachte der Spiegel eine Sehnsuchtsgeschichte über eine digitale Nomadin. Fest angestellt für eine Agentur arbeitete sie als Recruiterin auf Bali, in hübschen Co-Working-Spaces, wo keine Einheimischen stören.«

Eine sehr treffende Beobachtung, die ich, auch wenn ich noch nie auf #Bali war, nach Gesprächen mit balinesischen Betreiber:innen von Coworking Spaces bestätigen kann. Diese haben mir berichtet, dass all diese Orte am Strand, an denen sich Digital Nomads aus westlichen Ländern so gerne aufhalten, gar keine Coworking Spaces sind und nichts mit der balinesischen Coworking-Szene, die es sehr wohl gibt, zu tun haben. Dies nur als Randbemerkung für die Familiengespräche beim Abendbrot über Coworking auf Bali.


2️⃣ Im Interview mit der Zeitung Potsdamer Neueste Nachrichten spricht Brandenburgs Infrastrukturminister, Guido Beermann (CDU), über Stadtentwicklung mit Corona. Auf die Frage, welche Auswirkungen Corona auf die Innenstädte haben wird, sagt der Minister: »Wo der Einzelhandel rausgeht, kann zum Beispiel ein Co-Working-Space einziehen oder ein nichtstörendes Gewerbe.« Eine inzwischen gängige Sichtweise, die sicherlich nicht nur mir zuletzt schon öfters in Presseberichten begegnet sein wird.

Wenn die Strategie ist, dass statt des Einzelhandels ausgerechnet Coworking Spaces leere Ladenflächen anmieten werden, sind unsere Innenstädte verloren. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass das Geschäftsmodell, auf gemieteter Fläche mit Dienstleistungen Geld zu verdienen, sehr krisenanfällig ist. Dazu kommt, dass die wenigsten Coworking Spaces die finanzielle Ausdauer haben, eine Nachfrage in kleineren oder mittelgroßen Orten zu erzeugen. Coworking allein ist kein eine Miete zahlendes Geschäftsmodell.

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

Über Coworking für Jugendliche, in der Kirche und auf dem Land

1️⃣ Jugendliche aus Wennigsen in Niedersachsen, einem Ort rund 15 km südwestlich von Hannover gelegen, können das Jugendhaus ab sofort als Coworking Space nutzen, berichtet die Hannoversche Allgemeine. Das neue Angebot soll Schüler:innen Abwechslung im Lockdown-Alltag bieten und fokussiertes Homeschooling, nur eben nicht im eigenen Zuhause, ermöglichen. Diesmal hilft also kein Coworking Space selbst, wie zuletzt öfters geschehen, sondern das Prinzip Coworking wird auf einen existierenden Ort angewendet.


2️⃣ Beim Thema Homeschooling könnten auch Kirchenräume helfen, findet der hessische Pfarrer Jörg Niesner. Wie die Webseite Evangelisch​.de schreibt, verweist Niesner darauf, dass die Kirche seit Jahrhunderten auch ein außerschulischer Lernort war, der in der Corona-Pandemie gut für Unterricht oder auch zum mobilen Arbeiten genutzt werden könnte. Dass Kirchen ein ungenutztes Potential haben, mit Coworking neue Ansätze in der Gemeindearbeit, aber auch der Nutzung ihrer Räume, zu gehen, wird immer öfters gesehen.


3️⃣ Was Coworking ist, welchen Mehrwert ein Coworking-Angebot auch im ländlichen Raum hat, vor allem in der Corona-Pandemie, zeigt die Fernsehsendung Brandenburg Aktuell in einem kurzen TV-Bericht über das »Coworking Oderbruch« in Letschin in Brandenburg. Torsten Kohn, Leiter des ostbrandenburgischen Coworking Spaces, berichtet von einer erhöhten Nachfrage seit dem ersten Lockdown im März 2020. Und trotzdem ist dieses ländliche Coworking-Angebot, das für viele ein benötigter Ersatz zum Homeoffice ist, nur durch die Förderung der regionalen Wirtschaftsförderung möglich. Rechnen tut es sich (noch) nicht.

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

»Neuland 21« erforscht Homeoffice

Zwischen Oktober und Dezember letzten Jahres hat der Verein »Neuland 21« eine Umfrage zum Thema Homeoffice in der Region Hoher Fläming in Brandenburg durchgeführt. Die Erhebung wurde nun ausgewertet und mit denen anderer Regionen abgeglichen, berichtet die Zeitung Märkische Allgemeine.

Alle Teilnehmer:innen gaben an, dass das Homeoffice für sie keine Ausnahme mehr darstelle. Seit dem ersten Lockdown hat sich die Anzahl der täglich zu Hause arbeitenden Menschen sogar verdreifacht. 85 Prozent schätzen daran die eingesparte Pendelzeit, aber auch die selbstbestimmte Tagesplanung findet Gefallen.

Der fehlende Austausch mit Kollegen ist ein Manko, sowie die fehlende Trennung zwischen Beruf und Privatem im Homeoffice. Hier könnten zumindest Coworking Spaces einen Ersatz anbieten, auch was soziale Interaktionen mit anderen angeht. Wie Arbeitgeber:innen dies sehen, wird momentan erforscht.

Interessant ist auch der im Artikel angesprochene Aspekt der Verwaltung. Die des Landkreises Potsdam-Mittelmark hat durch ihre Dienstvereinbarung vom März 2020 Telearbeit ermöglicht. Inzwischen nutzen 33 Prozent der rund 1.000 Verwaltungsangestellten diese Option, staunt sogar der Ressortchef.

Quelle: Märkische Allgemeine vom 12.02.2021, Seite 13, via VÖBB

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

5 Lektionen aus 1 Jahr Coworking in Guben

Gestern berichtete die Lausitzer Rundschau vom ersten Geburtstag des Coworking Spaces „K24 – Dein Ideenladen“ aus Guben. Mit fünf Mitgliedern im ersten Jahr ist der Erfolg dann doch überschaubar. Das ist aber im Grunde in Ordnung. Schließlich haben von Größe (vier Arbeitsplätze) und Lage (Ort mit 20.000 Einwohnern) vergleichbare Coworking Spaces anfangs eine ähnliche Entwicklung genommen. Guben ist auch nicht Berlin.

Der Artikel von Daniel Schauff lässt vermuten, dass es aber ganz andere Erwartungen an das Coworking Space gab. Außerdem ist herauszulesen, dass das Projekt von Anfang an nicht auf viel Akzeptanz gestoßen ist. Mit etwas Recherche lassen sich auch viele Versäumnisse entdecken, die der Entwicklung des Projektes nicht gutgetan haben. Das ist bedauerlich, denn das „K24“ hat(te) durchaus die Chance, als etwas Innovatives zu gelten.

Allein der Name war fast ein Politikum: „Co-working Space“. So richtig wollte das nicht nach Guben passen, befand vor ziemlich genau einem Jahr auch Bürgermeister Fred Mahro (CDU).

Daniel Schauff, Redakteur der Lausitzer Rundschau

Die meisten Kommunalpolitiker*innen würden sich freuen, wenn jemand bei ihnen ein Coworking Space startet. Der Bürgermeister von Guben scheint sich aber schon an einem anglizistischen Fachbegriff gestört zu haben. Kein guter Start. Statt den Menschen zu vertrauen, dass sie sich mit dem Begriff Coworking vertraut machen, wurde ein etwas kryptischer Name gewählt. Nicht der einzige Fehler der Gubener Coworking-Initiative, weshalb ich hier fünf Ratschläge an Coworking-Gründer*innen teilen möchte:

1. Coworking erklären.

Es ist wichtig, dass erklärt wird, worum es beim Coworking geht und wie die Menschen es für sich nutzen können. Diese „Übersetzungsarbeit“ ist notwendig, damit Menschen sich über ihre Arbeitsbedingungen Gedanken machen. Als Energie sparendes und Konflikte meidendes Wesen, neigt der Mensch dazu, den Status Quo nur selten zu hinterfragen. Dies ist aber bei etwas Neuem und Unbekannten wie Coworking sehr wichtig.

Aus diesem Grund finde ich die im Artikel erwähnte Anmerkung von Kritikern, dass es bisher keine Nachfrage gab, irrelevant. Man muss bei etwas wie Coworking, gerade an mit dem Konzept noch nicht vertrauten Orten, erst ein Angebot schaffen, dass Nachfrage erzeugt. Hier gibt es noch keinen Markt und eine ein Produkt nachfragende Zielgruppe. Beides muss erst geschaffen werden und das braucht Zeit. Meiner Meinung sogar weit mehr als ein Jahr.

2. Sichtbar machen.

Der Mangel an Mut, eine bessere Begrifflichkeit als „K24 – Dein Ideenladen“ gewählt zu haben, ist keine Katastrophe. Dass das Gubener Coworking-Angebot aber online nahezu unsichtbar ist, stellt ein echtes Problem dar. Das Coworking Space besitz keine eigene Webseite, sondern nur eine Unterseite der GuWo-Webseite. Auch gibt es in keinem einzigen sozialen Netzwerk ein Profil des Coworking Spaces. Nicht einmal auf Facebook.

Der für mich größte Fehler ist, dass es keinen Eintrag auf Google Maps gibt. Dieser Kartendienst von Google ist die vermutlich beste Coworking-Suchmaschine der Welt. Und die GuWo, die selbst einen ungepflegten Eintrag besitzt, hat weder zur Gründung noch zum ersten Geburtstag, dem eigenen Coworking Space einen Eintrag spendiert. Wie sollen Menschen das Coworking Space finden, wenn es online einfach gar nicht sichtbar ist?

3. Viel kommunizieren.

Durch das Fehlen der Profile in den sozialen Netzwerken, fehlt auch die Möglichkeit, über das Coworking Space zu berichten. Auf Instagram könnte das Coworking Space vorgestellt werden und Menschen einen Eindruck von den Räumlichkeiten bekommen. Auf Facebook und LinkedIn könnten die Mitglieder präsentiert werden, die die Community bilden. Dadurch lassen sich mögliche Synergien sichtbar machen. Dies alles findet nicht statt.

Beim Coworking geht es um das Miteinander, die Erfahrung sozialer Interaktion mit anderen Menschen. Erst wenn das passiert, entsteht der Serendipitätseffekt, die vermeintlich zufällige Entdeckung von etwas für einen Wertvollem. Dazu muss mir aber in Bildern und Geschichten auch der Eindruck vermittelt werden, dass sich andere Menschen in dem Coworking Space aufhalten. Dafür braucht es aber erst einmal überhaupt Kommunikation.

4. Konzept auch ändern.

Im Coworking kommen mir sechs Monate oft wie zwei Jahre in einem alten Job vor. Deshalb muss man das Konzept auch stets anpassen. Vor allem nach dem ersten Kontakt mit Mitgliedern, versteht man deren Bedürfnisse besser. Diese sollten man zwar schon vorab ermitteln, aber es kann vorkommen, dass Leute auch erst im Begtrieb mit eienm darüber reden. Deshalb muss das Konzept von Zeit zu Zeit auch verändert werden können.

In Guben gibt es nur vier Arbeitsplätze. Von einem Besprechungsraum für Meetings, den auch externe Kunden buchen können, lese ich nichts. Dabei wäre das ein Standard und ein oft schneller angenommenes Produkt. Der Preis von 200 Euro brutto im Monat ist hoch, vor allem im Vergleich mit Coworking Spaces in Frankfurt (Oder) und Cottbus. Mein Ratschlag wäre, dass Angebot, mit der gemachten Erfahrung und neuen Entwicklungen beim Thema mobiles Arbeiten, zu überarbeiten.

5. Sich helfen lassen.

Man muss das Rad nicht neu erfinden. Inzwischen gibt es einige Unternehmen, die zum Thema Coworking beraten. Wir vom St. Oberholz haben beispielsweise die Sparda-Bank bei der Gründung des Coworking Spaces „BLOK O“ in Frankfurt (Oder), rund 50 Kilometer nördlich von Guben, beraten und betreiben es auch seit dem Start im Oktober 2018 für die Bank. Beratung ist teuer, aber wer sie sich leisten kann, bekommt professionelle Arbeit.

Finanziell preiswerter ist Unterstützung, dazu muss man sich nur selbst in Netzwerken engagieren, sie sich also verdienen. Eine Mitgliedschaft des „K24“ in der German Coworking Federation (GCF) hätte die GuWo nur 250 Euro im Jahr gekostet. Dafür wäre sie Mitglied eines sich untereinander helfenden Netzwerks gewesen. Diese fünf Tipps hätte man dort schon vor einem Jahr bekommen können, wenn man nur nach Starthilfe gefragt hätte.

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