Schlagwort: Arbeit

Homeoffice-Umfrage zeigt Konfliktpotential in Unternehmen

Der Büromöbelhersteller Steelcase hat eine Umfrage zum Thema Homeoffice in zehn Ländern durchführen lassen, u.a. auch in Deutschland, an der mehr als 32.000 Menschen teilgenommen haben. Die Ergebnisse lassen erahnen, dass es in den nächsten Monaten zu einem Kulturclash in den Unternehmen kommen könnte, denn obwohl die meisten Teilnehmer:innen sich nicht wirklich wohl im Homeoffice fühlen, wollen sie auch nicht mehr komplett ins Büro zurück. Nicht gerade zur Freude aller Arbeitgeber:innen.

Wie Der Standard berichtet, können sich mehr als die Hälfte der befragten deutschen Unternehmen hybride Modelle für die Zukunft vorstellen. Zwei Prozent überlegen sogar, komplett auf remote umzustellen. Allerdings sehen 45 Prozent im Büro weiterhin den Hauptarbeitsort. Und dies, obwohl fast alle befragten Angestellten sich eine hybride Lösung wünschen. 72 Prozent wollen einen Homeoffice-Tag pro Woche haben und 25 Prozent wollen zwei oder mehr Tage pro Woche nicht mehr ins Büro kommen.

Homeoffice hat Vor- und Nachteile

Ortsunabhängig zu arbeiten bietet spürbare Vorteile, dies haben viele deutsche Arbeitnehmer:innen in den letzten 12 Monaten erfahren. 50 Prozent der befragten Angestellten schätzen den Wegfall des Arbeitsweges, jeweils ein Drittel haben eine verbesserte Work-Life-Balance und können konzentrierter arbeiten. Rund 27 Prozent schätzen auch die gestiegene Flexibilität. Doch das eigene Zuhause ist dafür in den meisten Fällen nicht der beste Arbeitsplatz, wie andere Umfrageergebnisse zeigen.

38 Prozent der Befragten fühlen sich aber im Homeoffice isoliert, ein Viertel findet, dass sie Entscheidungen langsamer treffen und 19 Prozent geben an, sich Zuhause weniger produktiv zu fühlen. Nur zwei Drittel haben einen Schreibtisch zu Hause, an dem sie arbeiten können und nur 49 Prozent besitzen einen guten Arbeitsstuhl. Bei den leitenden Angestellten oder der Geschäftsführung sind es auch nur 69 Prozent. Die Leute wollen von woanders arbeiten, ihr Zuhause ist dafür aber selten geeignet oder eingerichtet.

Coworking Spaces sind die Lösung

Wenn man das zu Ende denkt, führt für auf mobile Arbeit setzende Unternehmen kein Weg an Coworking Spaces vorbei. Eine One-size-fits-all-Lösung wird es nicht geben. Ich sehe Regus, WeWork & Co. noch lange nicht Satellitenstandorte eröffnen. Beispielsweise rund um Berlin in Neuruppin, Eberswalde, Frankfurt (Oder), Michendorf oder Bad Belzig. Aber in diesen Orten gibt es bereits Coworking-Angebote. Die Angestellten sollten deshalb die Handlungsfreiheit erhalten, selber zu entscheiden, wann sie von wo arbeiten.

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

MDR-Interview zum Homeoffice

🔗 Fünf Wahrheiten über das Arbeiten im Homeoffice – und Prognosen für die Zukunft.

Der MDR-Redakteur Daniel George hat mich für »MDR Sachsen-Anhalt« zum Thema Homeoffice und mobiles Arbeiten interviewt. In dem Gespräch erkläre ich, dass das, was wir gerade als Homeoffice erleben, eher ein Zwang von Zuhause aus zu arbeiten ist und weniger ein durchdachtes Konzept für ortsunabhängige Arbeit. Deshalb plädiere ich, für die Zeit ohne Kontaktbeschränkungen, dass Angestellte die Handlungsfreiheit erhalten, für sich herauszufinden und zu entscheiden, wann sie von wo arbeiten möchten.

„Es wird weiterhin Büros geben, aber sie werden eine andere Funktion einnehmen. Mit Kollegen und Kolleginnen zusammenzuarbeiten, wird an Bedeutung gewinnen.“

Tobias Kremkau

Feedback zu „Arbeitsplatz: Ein paar Quadratmeter Wertschätzung“

Amna Franzke ist eine wirklich lesenswerte Autorin, die für ZEIT Online schreibt. Mir gefallen ihre Beiträge, sie bereichern meinen Blickwinkel und lehren mich Sachen, auch über mich selbst, die mir bis dahin nicht bekannt waren. Es ist wichtig, und wenn man das einmal erlebt hat, versteht man auch warum, dass man sich mit den Meinungen von Menschen auseinandersetzt, die eine andere Realität leben und deshalb andere Erfahrungen machen.

Deshalb muss ich aber nicht mit jedem ihrer Artikel auch persönlich übereinstimmen. Heute erschien ein Kommentar von ihr, der für mich Sinnbild des Debattenniveaus in den Medien ist, wenn es um das Thema Arbeitplatz der Zukunft geht. Franzkes Beitrag ist also nicht das Problem, sondern nur eines von vielen Beispielen für das Problem: Es wird mit einer thematisch zu geringen Breite über die Zukunft des Arbeitsplatzes diskutiert. Dabei werden viele Entwicklungen und Punkte außer Acht gelassen. Dies sollten wir schnellstens ändern.

Jedem sein Arbeitsplatz.

Das Büro, wie auch das Homeoffice, ist eine von vielen Optionen, von wo man seiner Tätigkeit nachgehen kann. Es wird weiterhin eine Bedeutung haben, aber nicht mehr für das klassische Arbeiten, das morgens ins Büro fahren, um an seinem Schreibtisch zu sitzen, wie wir es kennen. Alle Aufgaben, die man mit einem tragbaren Computer erledigen kann, sollten von da erledigt werden, von wo man das möchte. Dies kann weiterhin das Büro sein, muss es aber nicht.

Das Büro muss einen stärkeren Fokus auf das Erleben der sozialen Erfahrungen von Arbeit richten. Deshalb muss ich auch nicht in meinem eigenen Glaskasten sitzen, um meine Aufgaben zu erledigen. Vielmehr braucht es Flächen, an denen man mit seinen Kollegen zusammenkommen kann. Zum Austausch, aber auch zur Zusammenarbeit. Büros sind für Teams da und nicht als Arbeitsplatz, an dem nicht mehr als die Fokusarbeit von Einzelnen erledigt wird.

Diese machen manche Menschen lieber daheim. Andere nicht, aus nachvollziehbaren Gründen. Es kann dort laut sein oder es gibt anders zu tun, dass man nicht aus dem Blickfeld bekommt. Diese Menschen gehen vielleicht zum Arbeiten in ein Café, die Bibliothek in der Nachbarschaft oder auch in ein Coworking Space. Es gibt so viele Optionen für einen zu einem passenden Arbeitsplatz. Deshalb braucht es kein „Recht auf Büro“ und auch kein „Recht auf Homeoffice“.

Debatte ohne Tiefgang.

Was es wirklich braucht, dass ist die Handlungsfreiheit, selbstbestimmt entscheiden zu können, wann man von wo arbeiten möchte. Dafür braucht es eher ein „Recht auf mobiles Arbeiten“, vor allem aber eine neue Arbeitskultur in den Unternehmen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Medien führen eine Debatte auf dem Stand der 1990er Jahre, wobei die Realität, also eine Realität von vielen, die in der Arbeitswelt existieren, schon weiter ist.

Sogar hierzulande gibt es tolle Beispiele für den Vertrauensarbeitsplatz. Und ja, auch dies wird zu Recht unter dem Beitrag von Amna Franzke kommentiert, gilt dies nur für Leute mit Tätigkeiten, die sich mit einem tragbaren Computer erledigen lassen. Neben einem „Recht auf mobiles Arbeiten“ sollten wir, auch die Medien, diskutieren, wie wir die Arbeitswelt für alle Menschen freier und sinnerfüllter gestalten können. Arbeit ist kein Elitenprojekt.

Darum ging es in dem Kommentar von Amna Franzke nicht, weshalb ich hier nicht weiter darauf eingehen möchte. Wichtig ist aber, und dazu sind wir alle, die berufstätig sind oder es (wieder) werden wollen, aufgerufen, dass wir uns Gedanken dazu machen, wie wir arbeiten wollen. Mit diesen Vorstellungen können wir eine Debatte bereichern und verändern. So können wir, die Zukunft unseres Arbeitsplatzes aktiv mitgestalten.

Screenshot von ZEIT Online.