Neu: Coworking in Ueckermünde

In Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern hat der »Kulturspeicher« ein Coworking-Angebot geschaffen, berichtet die Haff-Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe. Mit dem wohl östlichsten Coworking Space des Bundeslandes soll der Verein weitere Einnahme generieren. Dies war eine Forderung der Stadt, die den Kulturspeicher finanziell unterstützt.

Die flexiblen Arbeitsplätze sollen für ein paar Stunden, einen Tag oder auch monatlich gebucht werden können. Da der Kulturspeicher auch über Ferienwohnungen verfügt, ist das neue Coworking-Angebot auch für mobil arbeitende Reisende oder Teams aus Unternehmen interessant, die einen Workation-Trip am Stettiner Haff machen wollen.

Quelle: Haff-Zeitung vom 08.03.2021, S. 16, aufgerufen via VÖBB.

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

TV-Bericht über »Fort Recup« und das »Cococnat«

Die arte-Sendung »Twist« über das »Fort Recup« und das »Coconat«

Die aktuelle Folge der Arte-Sendung »Twist« befasst sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Wohn- und Arbeitskonzepte. In einem Clip der Sendung werden der Coworking Space »Fort Recup« in Aubervilliers, einem Vorort von Paris, und das Workation-Retreat »Coconat« in Klein Glien in Brandenburg vorgestellt. Zwei sehr schöne Beispiele für Coworking in den Peripherien zweier Großstädte – einmal im suburbanen Raum von Paris und einmal im ländlichen Raum außerhalb von Berlin.

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Migros startet die WePractice-Gemeinschaftspraxis

Die Schweizer Kaufhallenkette Migros diversifiziert bereits seit Jahren ihr Geschäftsmodell und versucht sich mit den unterschiedlichsten Geschäftsbereichen. Auch mit Coworking hat das Unternehmen schon Erfahrungen gesammelt. In Bern betreibt Migros ein Coworking Space im bahnhofsnahen Einkaufszentrum »Welle 7« und mit der Firmeninitiative »Engagement Migros« wird die Coworking-Genossenschaft »VillageOffice« dabei unterstützt, ein Netzwerk an lokalen Coworking Spaces in der Schweiz aufzubauen, die innerhalb von 15 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad vom Wohnort her erreichbar sind.

Das räumliche Prinzip eines Coworking Spaces hat Migros nun auf einen neuen Geschäftsbereich übertragen. In Zürich betreibt die zu Migros gehörende Online-Plattform WePractice, mit der man Termine bei Psycholog:innen buchen kann, eine eigene Praxis. Die so vermittelten Psycholog:innen, die vielleicht keine eigenen Praxisräume angemietet haben, können sich hier auch gleich Besprechungsräume buchen. Im Grunde also eine Gemeinschaftspraxis, nur in Kombination mit einer an Uber erinnernden Buchungsplattform. Mit Coworking hat das nicht viel zu tun, zeigt aber einmal wieder die Flexibilisierung der Nutzung von Arbeitsorten.

Quelle: Luzerner Zeitung vom 06.03.2021 S. 14, aufgerufen via VÖBB.

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Deutsche Wohnen testet Coworking in Hellersdorf

Coworking in Wohnquartieren wurde bereits vor der Corona-Pandemie viel diskutiert. Allerdings gab es bisher kaum praktische Beispiele dafür in Deutschland. Eine kleine Ausnahme ist das »Kabinettstückchen« in Chemnitz in Sachsen, das sich in einem Wohnhaus befindet und durch eine Vereinbarung des Vermieters mit den Betreibern auch von den Bewohnern des Hauses mitgenutzt werden darf.

Die Wohnungsgesellschaft »Deutsche Wohnen« startet im April ein auf ein Jahr angelegten Test, wie ein Coworking Space in einer Wohnsiedlung den Mietern vor Ort helfen kann. In Kooperation mit der Berliner Coworking-Kette »Kiez Büro« wird eine leerstehende Bankfiliale auf der Hellersdorfer Promenade in Berlin-Hellersdorf in ein Coworking Space umgewandelt, schreibt das Handelsblatt.

Die Kosten für die Coworking-Mitgliedschaft werden für Mieter:innen zur Hälfte von der Deutsche Wohnen übernommen. Auf rund 300 m² groß sollen zu Beginn, aufgrund eines Hygienekonzepts, nur 12 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Bis zu 30 Arbeitsplätze sind möglich, wenn dies die pandemische Situation zulässt. Gebucht werden können sie als fester oder flexibler Platz. Tagestickets wird es auch geben.

Ein, meiner Meinung nach, sehr spannendes Projekt. Ich habe solche Initiativen schon unter dem Begriff Residential Coworking beschrieben gesehen, aber ein richtiger Fachbegriff für Coworking-Angebote in Verbindung mit Wohnquartieren gibt es wohl noch nicht. Nachbarschaftliches Coworking beschreibt es vielleicht ganz gut. Die Corona-Pandemie verleiht auch diesem Thema eine ganz neue Dynamik.

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Emanzipation durch Coworking

1️⃣ Der in Berlin-Schöneberg mit zwei Standorten beheimatete Coworking Space »tuesday coworking« senkt seine Preise für Mitgliederinnen. Seit dem 1. März ist die Mitgliedschaftsgebühr für Frauen um 19 Prozent niedriger als die für Männer. Damit möchte der Gründer John Neilan die sogenannte Gender Pay Gap, nach der Frauen in Deutschland durchschnittlich 19 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, symbolisch ausgleichen. Die Rabattaktion wird als Mehrwertsteuerbefreiung dargestellt, was sie nicht ist, aber die Höhe der abzuführenden Mehrwertsteuer wird erlassen, so dass für die Mitgliederinnen an sich nur noch der bisherige Nettopreis zu zahlen ist.


2️⃣ Bei den Immobilienpreisen in München wundert es nicht, dass Konzepte wie temporäre Zwischennutzungen sehr gefragt sind. Und das Münchner Bloggermagazin »Mucbook« hat, neben seinen eigenen Coworking Spaces, dafür ein temporäres Coworking-Angebot entwickelt, dass scheinbar gut ankommt. Nach dem »Optimistic Elephant« im ehemaligen Restaurant im Gasteig und dem Pop-up im Hotel »25 Hours The Royal Bavarian«, kommt nun ein weiter Coworking-Pop-Up in der Landeshauptstadt von Bayern dazu. Wieder in einem Hotel, diesmal im ersten Stock des Hotels »Hilton Munich Park«. Und damit in bester Lage, denn das Hotel liegt zwischen Isar und dem wunderbaren Englischen Garten.


3️⃣ Eine Krise wirkt wie ein Brennglas für gesellschaftliche Missstände. Dies trifft auch auf die Coronakrise zu, weshalb die Gemeinnützige Frankfurter Frauen-Beschäftigungsgesellschaft (GFFB), zusammen mit dem Zentrum für Weiterbildung, das Projekt »digitalwomen« gestartet hat. Dies soll Frauen aus Frankfurt (Main) in Hessen helfen, sich auch in der pandemischen Situation emanzipieren und neue berufliche Perspektiven erarbeiten zu können. Dafür hat das Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA), bis Ende 2021 befristet, den »stadtRAUMfrankfurt« gegründet. Dies ist ein kostenloser Coworking Space mit Kinderbetreuung für insgesamt bis zu 50 Frauen.

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TV-Bericht über den »Alsenhof«

Im Arte-Wissensmagazin »Xenius« ging es in der letzten Folge um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Städte. Als ein Aspekt dieser Entwicklung, das Leben auf dem Land, wird in der Fernsehsendung auch das Coliving-Projekt »Alsenhof« vorgestellt (ab Minute 10:25 bis Minute 16:25). Es wurde auch schon öfters hier im Kanal erwähnt.

Die arte-Sendung Xenius über den »Alsenhof«

Im Fernsehbeitrag kommt u.a. auch Jule Lietzau zu Wort, die bei der CoWorkLand-Genossenschaft für Begleitforschung und Studien zuständig ist. Sie ist einer der Köpfe hinter der viel besprochenen Bertelsmann-Studie zu Coworking auf dem Land. In dem Zusammenhang sei auch auf den lesenswerten BMEL-Praxisleitfaden für ländliche Coworking Spaces verwiesen.

Ein sehenswerter Beitrag, denn Jule ist nicht nur theoretisch in dem Thema bewandert, sondern auch Mitgründerin des Coworking Spaces »TorfHub« in Kastorf in Schleswig-Holstein. Für das Coworking Space auf dem Alsenhof wird sich aber die von Björn Budack gegründete Berliner Coworking-Kette »KiezBüro« verantwortlich zeigen.

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Nicht nur immer Coworking Spaces

Sowohl am Wochenende als auch heute Morgen, gab es keinen nennenswerten Bericht zum Thema Coworking, den ich hier teilen und bewerten könnte. Einzig ein abgedruckter Leserbrief in der Kreiszeitung aus Syke in Niedersachsen weckte mein Interesse.

Darin schreibt Roman Wohlgemuth unter anderem folgenden Absatz:

Grundursache ist dabei, dass sowohl Politik, Verwaltung und leider auch die Kaufmannschaft in diesem Zusammenhang gar nicht wissen, wohin sich die Hauptstraße als Einkaufsstraße entwickeln soll. Die gut gemeinten Lösungsansätze, wie Coworking-Spaces, Creative-Labs, Pop-up-Shops oder kommunal subventionierte Mieten sind hier ganz sicher keine Lösung, sondern vielmehr weiterer Ausdruck gelebter Hilflosigkeit.

Roman Wohlgemuth | Aus: Kreiszeitung – Syke, Stuhr-Wehle vom 01.03.2021, S. 10, aufgerufen via VÖBB

Ob diese Lösungsansätze für eine Stadt wie Syke, rund 20 km südlich von Bremen gelegen, wirklich nur gutgemeint und nicht vielleicht auch passend sind, kann ich nicht auf Anhieb beurteilen. Bei der geographischen Lage wäre es nicht überraschend, wenn einige Menschen aus Syke täglich nach Bremen und zurück pendeln. Ein Coworking Space könnte unter Umständen doch ein wichtiges Angebot an die Menschen darstellen.

Ich teile aber den Eindruck, dass derartige Konzepte, wie Coworking Spaces, momentan inflationär hinausposaunt werden. Mir ist das schon im Vorfeld der bayerischen Kommunalwahl im März 2020 aufgefallen. Kandidat:innen aller Parteien wollten eins in ihrem Dorf haben. Momentan wiederholt sich das in Rheinland-Pfalz, wo aber zumindest mit dem Projekt »Dorf-Büros« bereits solide Pionierarbeit für das Thema geleistet wurde.

Fest steht, dass nicht überall ein Coworking Space auch die richtige Lösung ist. Andere Orte werden andere Lösungen brauchen. Welche das sind, sollte durch ergebnisoffene Untersuchungen herausgefunden werden. Erfahrene Betreiber:innen von Coworking Spaces als externe Berater:innen dafür zu engagieren macht Sinn. Gerade sie würden niemals dort ein Coworking Space eröffnen wollen, wo es niemals funktionieren wird.

Nichtsdestotrotz sind auch die im Leserberief angesprochenen ›subventionierten Mieten‹ notwendig, denn gerade außerhalb der Metropolen ist das Konzept Coworking zu unbekannt als dass ein Coworking Space auf Anhieb funktionieren kann. Hier ist die Politik gefragt, sinnvoll zu fördern, was Potential hat und sich sowohl wirtschaftlich für Betreiber:innen als auch von den Sekundäreffekten her für eine Gemeinde rechnet.

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Hat WeWork der Coworking-Szene geschadet?

Heute gibt es eigentlich nichts Neues zu Coworking in Deutschland zu berichten, weshalb ich den Fokus auf einen Artikel der New York Times richten möchte, den Christoph Fahle (betahaus, One Coworking) auf LinkedIn geteilt hat. Dieser befasst sich mit der Rolle von Wagniskapital (auf Englisch Venture Capital, kurz VC) in als besonders riskant geltenden Unternehmen. An kaum einem Beispiel der letzten Jahre lässt sich dies wohl besser als am Serviced-Office-Anbieter »WeWork« erklären. Und das macht der Artikel sehr gut.

Christoph fragt sich, ob WeWork der Coworking-Szene geschadet oder genützt hat. Das ist meines Erachtens nicht eindeutig zu beantworten. Fest steht, dass die Firma den Begriff ›Coworking‹, auch wenn sie meiner Meinung nach damit gar nichts zu tun hatte, bekannter gemacht hat. Ironischerweise haben viele Menschen erst durch WeWork das erste Mal von Coworking und Coworking Spaces gehört. Viele Leute sind, über den Umweg WeWork, später auch Mitglieder in richtigen Coworking Spaces geworden.

Bisher habe ich noch niemanden kennengelernt, der/die behauptete, durch WeWork einen Schaden erlitten zu haben. Sicherlich hat WeWork schon dem ein oder anderen Anbieter Mitglieder abgeworben, aber soweit, wie es bei dem im Artikel vorgestellten »NextSpace«, der weltweit ersten Coworking-Space-Kette, kam es dann doch nicht. Andere Serviced-Office-Ketten werden andere Erfahrungen gemacht haben, aber echte Coworking Spaces standen meines Erachtens nie im Wettbewerb mit WeWork.

Zuert erschienen in »Kremkaus Links«.

Neues zu Coworking in Remscheid und Gelsenkirchen

1️⃣ Erst zu Beginn dieses Jahrs eröffnete der Coworking Space »Gründerquartier« in Remscheid in Nordrhein-Westfalen und schon jetzt ist er ausgebucht, berichtet die Bergische Morgenpost. Laut der Leiterin Nicole Haas sind die zwölf Einzel- und Teambüros bereits alle vergeben. Eine Warteliste existiert auch schon, weshalb bereits an einer Umnutzung anderer Flächen für Büros gedacht wird. Neben den Büros verfügt der Coworking Space auch über 40 Arbeitsplätze, eine Werkstatt, drei Besprechungsräume und einen Escape-Room – vermutlich deutschlandweit einmalig [Quelle: Bergische Morgenpost Nr. 47 – Remscheid, 25.02.2021, S. 26, aufgerufen via VÖBB].


2️⃣ Seit 2018 wird in dem 300 m² großen Coworking Space »NewWorkLab« in Gelsenkirchen, im Rahmen des vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts »CoWin«, über neue Arbeitsplatzmodelle für Pendler:innen geforscht. Eine erste Erkenntnis ist, dass Mitglieder eines Coworking Spaces Technologien für mobile Arbeit selbstverständlich nutzen. Die Ergebnisse des Modellprojekts werden am Freitagvormittag ab 9 Uhr in einem digitalen Workshop via Zoom vorgestellt, schreibt die WAZ. Eine Anmeldung per E-Mail an r.klatt@fiap-ev.de ist für interessierte Zuschauer:innen möglich.

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Wie Coworking Spaces Pendlern und Schülern helfen

1️⃣ Anfang Februar berichtete ich in meinem Telegram-Kanal bereits über den geplanten Coworking Space im Schloss der Gemeinde Wiesent in Bayern. Die Donau Post berichtet nun, dass letzte Woche auch Landrätin Tanja Schweiger, Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher und Roland Weiß vom Landratsamt sich die Gegebenheiten vor Ort anschauten.

Verantwortlich für das Coworking-Angebot in den Räumen der ehemaligen Sparkassen-Filiale wird die Regensburger Firma »EduRent«, die bereits in Regensburg ein Coworking Space gleichen Namens betreibt. EduRent-Chef Benedikt Fleckenstein erklärt, dass in Wiesent insgesamt elf Arbeitsplätze und ein Konferenzraum entstehen werden [Quelle: Donau Post vom 24.02.2021, S. 15, aufgerufen via VÖBB].


2️⃣ In Weißwasser in Sachsen, nahe der polnischen Grenze und genau zwischen Cottbus und Görlitz gelegen, möchten Christine und Marius Jurtz ein Coworking Space gründen. Erst als Büro für die beiden gedacht, kam ihnen dann die Idee, einen ganz neuen Ort zu schaffen, an dem man sich mit anderen treffen und auch gemeinsam arbeiten kann.

Direkt am Marktplatz soll nun das Coworking-Angebot entstehen, das sich vor allem an Pendler:innen richtet. Die könnten sich dann immer öfters den Weg nach Cottbus, Bautzen oder Dresden sparen. Das Paar hat auch schon Kontakt zu anderen Coworking-Initiativen in der Oberlausitz aufgenommen, berichtet die Lausitzer Rundschau.


3️⃣ Die Stadt Gießen in Hessen hat in verschiedenen Jugendzentren ›digitale Lernräume‹ eingerichtet, schreibt die hessenschau. Diese funktionieren genaugenommen wie kleine Coworking-Räume für Schüler:innen, die sich dort einen Arbeitsplatz buchen und mit eigenen Geräten oder Leihgeräten ihre Homeschooling-Aufgaben erledigen können.

In dieser Form kann das auch direkt in einem Coworking Space funktionieren. Diese könnten dadurch ungenutzte Räume wieder mit Leben füllen und auch als ein wichtiger Ort in der Gemeinde wahrgenommen werden. Kommunen könnten zusätzlich auch mit lokalen Coworking Spaces zusammenarbeiten, um so ein Angebot zu entwickeln.

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Übers Teledorf und ganz neue Coworking-Angebote

1️⃣ Der Coworking Space »Fleet 7« in Kiel in Schleswig-Holstein, einer von drei Coworking Spaces der Madsack-Mediengruppe (die anderen beiden sind die »Basislager« in Leipzig und Rostock), hat zusammen mit der Werner-Petersen-Stiftung ein Gründungsstipendium für Studierende entwickelt. Die Stipendiat:innen bekommen für sechs Monate einen Arbeitsplatz im Coworking Space, sowie ein Startbudget in Höhe von 1.000 Euro und Beratung durch ein Mentor:innennetzwerk. Auch die Fachhochschule Kiel ist in das Programm eingebunden, berichten die Kieler Nachrichten [Quelle: Kieler Nachrichten – Kieler Zeitung vom 23.02.2021, S. 25, aufgerufen via VÖBB].


2️⃣ Die Neue Presse stellt das »Nordhalben Village« in Nordhalben in Bayern vor, aber vor allem dessen Gründerin Halgard Stolte. Sie hat mitten im Frankenwald einen Coworking Space für die ländliche Region und ein Coliving-Angebot für mobil arbeitende Reisende aus der ganzen Welt geschaffen. Die Gemeinde und die lokale Wirtschaftsförderung unterstützten das Projekt, so dass das historische Schulgebäude umfangreich renoviert werden konnte. Auf insgesamt rund 800 m² gibt es nun u.a. fünf Teamräume à 60 m² und acht Apartments à 30 m², sowie Gemeinschaftsflächen [Quelle: Neue Presse – Ausgabe Coburg, 23.02.2021, S. 11, aufgerufen via VÖBB].


3️⃣ Im Unternehmensmagazins diskurs der Weberbank ist ein Artikel über die »betahaus«-Mitgründerin Madeleine Gummer von Mohl erschienen, in dem die Coworking-Pionierin kurze Einblicke in die Gründungsgeschichte und die aktuellen Herausforderungen des Coworking Spaces gewährt. Neben dem eigentlichen Betrieb ihrer zwei Standorte in Berlin, möchten die Gründer:innen ihr Wissen über flexible Arbeitsplätze für ein neues Beratungsangebot nutzen, das sich vor allem an Unternehmen richtet. Deren Firmenzentralen müssen sich ändern, zu Orten für ein kollaboratives Miteinander werden und dafür ist die Expertise aus über 12 Jahren betahaus natürlich genau richtig.


4️⃣ Ein guter Historiker findet Vorläufer für alles. Aber ein besserer Historiker weiß, wann es sich bei diesen Vorläufern um bloße Kuriositäten handelt. So verhält es sich auch mit dem Teledorf-Projekt der Gemeinde Retzstadt in Bayern. Was der früherer Retzstadter Bürgermeister Reinhold Möller damals entwickelte, war zu dieser Zeit sehr visionär und ist unter dem Aspekt Telearbeit sicher mit den heutigen Coworking Spaces in einer gewissen Form verwandt. Die Motivation und Philosophie dahinter sind aber grundlegend anders und damit das Projekt in meinen Augen nur eine interessante Kuriosität in der Geschichte der mobilen Arbeit [Quelle: Main-Post vom 23.02.2021, S. 21, aufgerufen via VÖBB].

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Coworking Space aus dem 3D-Drucker

1️⃣ Das »Probierwerk« in Leverkusen in Nordrhein-Westfalen ist ein im Januar 2019 von der kommunalen Wirtschaftsförderung eröffneter Coworking Space mit integriertem Makerspace. Und obwohl das Angebot aufgrund der pandemischen Situation seit fast einem Jahr nur eingeschränkt möglich ist, sind alle Teamräume ausgebucht und es gibt eine Warteliste, erzählt der Leiter Benjamin Schulz im Gespräch mit der Rheinischen Post. [Quelle: Rheinische Post Nr. 44 – Langenfeld, 22.02.2021, S. 14, aufgerufen via VÖBB]


2️⃣ Das »Russische Haus« ist ein sehr bekanntes Kultur- und Veranstaltungszentrum in der Friedrichstraße in Berlin-Mitte. Auf über 29.000 m² wird ein stets abwechslungsreicher Zugang zu russischer Kunst, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft angeboten. Was ich noch nicht wusste, aber diesem Artikel des Redaktionsnetzwerk Deutschland entnehme, ist, dass es sogar ein Coworking Space in dem Gebäude gibt. Über 50 Arbeitsplätze soll es in dem Coworking Space namens »Sputnik 57« geben. Scheinbar seit März 2019.


3️⃣ Das thailändische Zement- und Baustoffunternehmen »SCG« hat laut dieser Meldung des Portals 3druck.com einen 102 m² großen Coworking Space 3D-gedruckt. Das Gebäude ist angeblich in der Stadt Saraburi in Thailand eröffnet worden. Keine Ahnung, ob dies wirklich ein Coworking Space ist, aber da Häuser schon länger auch gedruckt werden, war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Coworking Space gedruckt wird. Ich bin gespannt, ob wir auch einmal hierzulande ein gedrucktes Coworking Space sehen werden.

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SRF-Sendung »Team F« startet Coworking Space in Cham

In der Sendung »Team F« des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) fahren die SRF-Moderatorin Florence Fischer, die Marketingexpertin Barbara Eisl und die Künstlerin Ernestyna Orlowska in einem Elektrobus durch die Schweiz. In jeder Folge setzen sie sich mit einer anderen Lösung für mehr Nachhaltigkeit auseinander. In der gestrigen Folge sind die drei Frauen in Cham, grob zwischen Zürich und Luzern gelegen. Die Stadt ist berühmt dafür, die größte Fahrzeugdichte in der gesamten Schweiz zu besitzen.

Das Team F hat sich darum zum Ziel gesetzt, die Chamer:innen von der Strasse zu holen und in einen Coworking Space zu locken, um so den Pendelverkehr etwas zu reduzieren. Keine Ahnung, wie viel davon wirklich spontan umgesetzt wurde und was nicht. Die drei Frauen planen ein Coworking Space im Veranstaltungssaal einer Gastronomie. Beraten werden sie bei dem Projekt u.a. von Emanuel Forny von der »VillageOffice eG«, den Expert:innen für das Thema Coworking im nichturbanen Raum der Schweiz.

Die Sendung ist wirklich nett anzuschauen und zeigt sogar ein paar wesentliche Aspekte, die bei der Gründung eines Coworking Spaces beachtet werden sollten, gut auf. Zum einen kommt es auf einen gut gelegenen Standort an und zum anderen muss man mit den Menschen besprechen, um deren Bedürfnisse besser kennenzulernen und das Coworking-Angebot bekannt zu machen. Pflanzen schaden auch nie in einem Coworking Space, aber ein Dschungel der Arbeitswelt muss es auch nicht gleich werden.

Hinweis: Aufgrund von Geoblocking lässt sich die Sendung nur mit einem VPN-Zugang über einen Server in der Schweiz schauen. Wer mobil arbeitet, sollte sowieso einen VPN-Dienst nutzen. Wer das noch nicht tut, für den ist das ein guter Anlass damit zu beginnen.

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Coworking an deutschen Hochschulen

Coworking Spaces bzw. eher Coworking-Räume an Hochschulen gibt es in Deutschland bereits seit Jahren. Bei einer kurzen Recherche zum Thema bekommt man aber den Eindruck, dass die ersten Versuche bereits nicht mehr existieren. Trotzdem haben zuletzt immer mehr Hochschulen auch wieder eigene Coworking-Räume geschaffen.

Mit Ausnahme des »Projektraum COI« in Bernburg in Sachsen-Anhalt, hat mich aber noch keiner der von mir besuchten Orte überzeugt. Dies könnte sich aber langsam ändern. Zumindest interpretiere ich die ersten Schritte, die zum Beispiel die Universitäten im bayerischen Bayreuth und im brandenburgischen Frankfurt (Oder) wagen, positiv.

Ein anderer Standort mit Perspektive ist die »Werkbank32« in Mittweida in Sachsen. Was die örtliche Hochschule hier, in Kooperation mit der Volksbank Mittweida und der Stadt Mittweida, geschaffen hat, klingt vielversprechend. Übrigens kann der Coworking Space am Dienstag ab 15 Uhr in einem virtuellen Rundgang kennengelernt werden.

Von einer Abonnentin meiner Telegram-Gruppe wurde ich gebeten, mich doch auch einmal diesem Thema, Coworking an Hochschulen, verstärkt zu widmen. Kurzfristig schaffe ich das aufgrund anderer Schwerpunkte momentan nicht, aber ich habe es mir für das Frühjahr vorgenommen, mehr in diese Richtung zu recherchieren und kennenzulernen.

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Umnutzungen für mehr Coworking

1️⃣ In Herrnhut in Sachsen, zwischen Löbau und Zittau gelegen, hat der Architekt David Haupt in einem ehemaligen Spritzenhaus der Feuerwehr ein Coworking Space eröffnet. Zwar gibt es bereits eine große sächsische Coworking-Szene, aber doch erst wenige Orte im ländlichen Raum. Kontakt bekommt man über die Webseite von David Haupt.

Neben drei Einzelbüros gibt es auch ein Großraumbüro und einen Besprechungsraum. Erste Mitglieder gibt es auch bereits. Die meisten nutzen das neue Coworking-Angebot als Alternative zum Homeoffice. Die eigentliche Nachfrage erwartet Haupt nach der Pandemie und hat wohl auch Flächen, sich zu erweitern, wie das Portal Sächsische.de schreibt.


2️⃣ Wie lange der aktuelle Lockdown noch gehen wird und ob es der letzte in diesem Jahr bleibt, lässt sich nicht sagen. Die »Wohnzimmer Bar« in Traunstein in Bayern hat sich deshalb entschieden, mit Hilfe des Startups »Twostay«, ein Coworking Space zu werden, berichtet die Bayernwelle. Und das auch nach dem Lockdown zu bleiben.

Damit es aber losgehen kann, braucht es noch ›Space-Captains‹. Dies sind den Coworking Space kostenlos nutzende Mitglieder, die an einem Tag der Woche für andere Gäste als Ansprechpartner:innen zur Verfügung stehen. Dadurch sparen sich »Twostay« und auch die Coworking anbietende Gastronomie zusätzliche Personalkosten.

P.S. Sollte es nicht dazu kommen, gibt es ja immer noch das Traunsteiner Coworking Space »B1 connect«. Und die Stadt fördert seit Oktober letzten Jahres auch die Mitgliedschaft. Für ein halbes Jahr werden 50 Prozent der Mitgliedschaftsgebühr bzw. höchstens 125 Euro netto im Monat übernommen, wie ich hier bereits berichtete.


3️⃣ Den selben Entschluss hat der Gastronom des »L Toro« in Cappel auf der Hohenloher Ebene in Baden-Württemberg getroffen. Peter Lohnert glaubt, dass die Gastronomie nicht mehr zurückkommt, wie sie war und hat sein Eventlokal in den Coworking Space »Kreislaufwirtschaft Nr. 1« umgewandelt, berichtet die Heilbronner Stimme.

Dass dies keine unternehmerische Kurzschlussentscheidung ist, beweist Peter Lohnerts Motivation für das Projekt. Er möchte einen nachhaltigen Ort für ›eine regionale Vernetzung von kleineren Unternehmen‹ schaffen. Dabei prägt ihn vor allem die Philosophie des Kreislaufwirtschaftdenkens, dem Cradle-to-Cradle-Prinzip [Quelle: Heilbronner Stimme vom 20.02.2021, S. 31, aufgerufen via VÖBB].

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Homeoffice-Umfrage zeigt Konfliktpotential in Unternehmen

Der Büromöbelhersteller Steelcase hat eine Umfrage zum Thema Homeoffice in zehn Ländern durchführen lassen, u.a. auch in Deutschland, an der mehr als 32.000 Menschen teilgenommen haben. Die Ergebnisse lassen erahnen, dass es in den nächsten Monaten zu einem Kulturclash in den Unternehmen kommen könnte, denn obwohl die meisten Teilnehmer:innen sich nicht wirklich wohl im Homeoffice fühlen, wollen sie auch nicht mehr komplett ins Büro zurück. Nicht gerade zur Freude aller Arbeitgeber:innen.

Wie Der Standard berichtet, können sich mehr als die Hälfte der befragten deutschen Unternehmen hybride Modelle für die Zukunft vorstellen. Zwei Prozent überlegen sogar, komplett auf remote umzustellen. Allerdings sehen 45 Prozent im Büro weiterhin den Hauptarbeitsort. Und dies, obwohl fast alle befragten Angestellten sich eine hybride Lösung wünschen. 72 Prozent wollen einen Homeoffice-Tag pro Woche haben und 25 Prozent wollen zwei oder mehr Tage pro Woche nicht mehr ins Büro kommen.

Homeoffice hat Vor- und Nachteile

Ortsunabhängig zu arbeiten bietet spürbare Vorteile, dies haben viele deutsche Arbeitnehmer:innen in den letzten 12 Monaten erfahren. 50 Prozent der befragten Angestellten schätzen den Wegfall des Arbeitsweges, jeweils ein Drittel haben eine verbesserte Work-Life-Balance und können konzentrierter arbeiten. Rund 27 Prozent schätzen auch die gestiegene Flexibilität. Doch das eigene Zuhause ist dafür in den meisten Fällen nicht der beste Arbeitsplatz, wie andere Umfrageergebnisse zeigen.

38 Prozent der Befragten fühlen sich aber im Homeoffice isoliert, ein Viertel findet, dass sie Entscheidungen langsamer treffen und 19 Prozent geben an, sich Zuhause weniger produktiv zu fühlen. Nur zwei Drittel haben einen Schreibtisch zu Hause, an dem sie arbeiten können und nur 49 Prozent besitzen einen guten Arbeitsstuhl. Bei den leitenden Angestellten oder der Geschäftsführung sind es auch nur 69 Prozent. Die Leute wollen von woanders arbeiten, ihr Zuhause ist dafür aber selten geeignet oder eingerichtet.

Coworking Spaces sind die Lösung

Wenn man das zu Ende denkt, führt für auf mobile Arbeit setzende Unternehmen kein Weg an Coworking Spaces vorbei. Eine One-size-fits-all-Lösung wird es nicht geben. Ich sehe Regus, WeWork & Co. noch lange nicht Satellitenstandorte eröffnen. Beispielsweise rund um Berlin in Neuruppin, Eberswalde, Frankfurt (Oder), Michendorf oder Bad Belzig. Aber in diesen Orten gibt es bereits Coworking-Angebote. Die Angestellten sollten deshalb die Handlungsfreiheit erhalten, selber zu entscheiden, wann sie von wo arbeiten.

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Corona-Folgen sorgen für neue Nachfrage nach Coworking

1️⃣ In der zu Wipperfürth gehörenden Ortschaft Heid in Nordrhein- Westfalen, nordöstlich von Köln gelegen, ist ein neuer Workation-Ort in Planung. Wie die Kölner Rundschau berichtet, soll der Milchviehbetrieb auf dem Gut Kremershof zurückgefahren werden. Die Eigentümer:innen wollen ihren Hof stattdessen durch kreative Ideen nachhaltiger und zukunftsfähiger gestalten. Daraufhin haben sich Mona Beckmanns und Lucas Danisch bei den Landwirten mit dem »Hofworking«-Konzept vorgestellt und überzeugen können.

Neben dem Coworking Space sind auch ein multifunktionales Gewächshaus, in dem auch Veranstaltungen und Workshops stattfinden können, sowie ein Parkplatz für Campingfahrzeuge geplant. Gearbeitet werden soll in vollausgestattetet Raumcontainern, die überall auf dem Hof und dem Umland platziert werden können. Ob es auch zur Umsetzung kommt, hängt von der Finanzierung ab. Man hat sich bereits für eine Förderung das »LEADER Bergisches Wasserland« beworben.


2️⃣ Nur 45 Autominuten westlich von Wipperfürth tut sich ebenfalls etwas: Der Coworking Space »Office & Friends« in Olpe in Nordrhein-Westfalen wird sich noch in diesem Frühjahr erweitern, berichtet die Westfalenpost. Eine Fläche im Nachbargebäude konnte dazu gemietet werden und wird nun bis Mai umgebaut. Dadurch sollen 15 weitere Arbeitsplätze, vornehmlich Einzelbüros, und neue Besprechungsräume entstehen. Der Grund dafür ist die gestiegene Nachfrage von Menschen, die nicht mehr im Homeoffice arbeiten wollen und von Firmen, die ihre Angestellten dezentral verteilen möchten, erklärt Community Managerin Marie Christin Junker im Artikel.


3️⃣ Auch das »Coconat« in Klein Glien in Brandenburg muss die wachsende Nachfrage bedienen und wird neben ihrem Workation-Retreat nun auch ein Coworking Space für die Menschen aus der Region schaffen. Herzstück der neuen Coworking-Fläche wird ein historischer S-Bahn-Wagen, schreibt die Märkische Allgemeine. Der Aufbau des neuen Coworking-Angebots auf über 120 m² wird gefördert aus dem Europäischen Sozialfond und vom Land Brandenburg. Genau wie ein weiterer Coworking-Raum Büro im Gebäude des Bahnhofs der Nachbargemeinde Wiesenburg. Auf 20 m² werden hier drei Arbeitsplätze für Menschen aus der Region geschaffen, die nicht mehr jeden Tag nach Berlin oder Dessau pendeln möchten.


4️⃣ In Waffensen, einem Ortsteil der Stadt Rotenburg in Niedersachsen, soll ein Coworking Space auf dem Grundstück des Mehrgenerationenhauses entstehen. Die Idee dazu sei bereits vor Beginn der Corona-Pandemie ein Thema im Dorf gewesen, sagt Ortsbürgermeister Hartmut Leefers. Doch ›die Pandemie wirkt nun aber wie ein Beschleuniger‹, erklärt er im Gespräch mit der Kreiszeitung. Der Bürgermeister bemüht sich nun um Fördermittel für das Vorhaben. Um aber die bereits angemeldeten Nachfrage nach so einem Angebot kurzfristig zu bedienen, soll der Computerraum im Obergeschoss des Mehrgenerationenhauses kurzfristig umgenutzt werden. Ab wann genau, steht noch nicht fest, aber ›am liebsten sofort‹, sagt der Bürgermeister dazu.


5️⃣ Überall in Deutschland, dafür sind die Vorhaben in Heid, Klein Glien und Waffensen nur drei heutige Beispiele, entstehen Orte wie Coworking Spaces und Workation-Retreats im ländlichen Raum. Die neuen Orte schaffen aber nicht nur neue Möglichkeiten, sondern auch neue Herausforderungen. ›Das Gelingen solcher Projekte hängt von der Haltung ab – sowohl der Menschen im Dorf als auch der Neuankömmlinge‹, sagt Philipp Hentschel im Gespräch mit dem Greenpeace Magazin. ›Damit das Klischee der grünen Städter und der konservativen Dörfer aufgebrochen wird, müssen sich die Menschen aufeinander einlassen, ihre Filterblasen verlassen‹. Ein toller Beitrag über die viel diskutierte Stadtflucht mit dem Laptop aufs Land, der einen tollen Einstieg in die Thematik darstellt.

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Wie Coworking Obdachlosen, Pendlern und Gründern hilft

1️⃣ In Berlin hat der Coworking Space »juggleHUB« eine Form der Kältehilfe gestartet: obdachlose Menschen können tagsüber in den Coworking Space kommen, sich aufwärmen, ein kostenloses Heißgetränk bekommen und die Toilette nutzen. Eine tolle Aktion eines einzelnen Coworking Space, die gerne nachgeahmt werden kann. Die German Coworking Federation (GCF) unterstützt die Aktion und bittet weitere Coworking Spaces darum, sich an der Aktion zu beteiligen.


2️⃣ Im alten Ladengeschäft ihrer Großmutter in Sinzig in Rheinland-Pfalz hat Melanie Kai im März 2020 den ersten Coworking Space der Region gegründet. Hier, zwischen Bonn und Koblenz, gab es bis zu Eröffnung des »CoWorking Sinzig« keinen derartigen Ort. Dabei scheint die Nachfrage groß zu sein. Auch ohne Werbung wurde ihr Angebot bisher sehr gut genutzt. Die Gründerin geht davon aus, dass sie ›nur etwa 5 Prozent des Bedarfs in der Region‹ abdeckt, schreibt die Rhein-Zeitung.


3️⃣ In Zürich betreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) bereits seit fünf Jahren das »Büro Züri«, ein Coworking Space für Gründer:innen und Startups. Um von dort zu arbeiten, muss man einen mehrstufigen Bewerbungsprozess durchlaufen. Wenn man angenommen wird, kann man ein Jahr lang kostenlos von dort arbeiten. Ab Herbst dieses Jahres soll es in Dübendorf, ebenfalls in der Schweiz gelegen, einen zweiten Standort mit dem gleichen Angebot geben, schreibt Computerworld.

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

1 Jahr »Kremkaus Links« 🎂

Vor einem Jahr startete ich den Telegram-Kanal »Kremkaus Links«. Das Ziel war es, indem ich während meiner fast einjährigen Elternzeit Artikel über Coworking teile, zu dem Thema auf dem Laufenden zu bleiben. Und auch zugleich ein Ansporn, dies diszipliniert durchzuhalten.

Und das mit Erfolg, denn heute wird der Kanal bereits ein Jahr alt. In den letzten 365 Tagen habe ich fast täglich Artikel zum Thema Coworking geteilt und kommentiert. Gestern Morgen postete ich den 488. Link. Das Thema hatte durch Corona auch Konjunktur.

Wie viele Beiträge ich in diesem Jahr gepostet habe, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Telegram bietet nur wenig Statistiken an. Vermutlich waren es um die 300 Stück. Die Arbeit an »Kremkaus Links« ist inzwischen ein fester Bestandteil meines Tagesablaufs.

Zu Beginn arbeitete ich mobil.

Ich wählte mit Telegram einen Messenger für dieses Projekt, da die App leicht zu bedienen ist, kein Algorithmus die Sichtbarkeit der Beiträge beeinflusst und es auch eine offene Webansicht für alle gibt, die sich nicht bei Telegram anmelden wollen.

In den ersten Monaten verfasste ich nahezu alle Beiträge auf Spaziergängen, wenn ich mein damals noch vor allem schlafendes Kind durch unsere Nachbarschaft geschoben habe. Die App bediente ich mit einer Hand, während ich den Kinderwagen schob.

Inzwischen schreibe ich die Beiträge immer öfters am Laptop. Zum einen, da die Anzahl der Artikel über Coworking zugenommen hat. Zum anderen, um die Möglichkeiten der Formatierung in der Telegram-App noch leichter zu nutzen. Da bin ich ein Ästhet.

Als Quellen habe ich mir einen Google-Alert eingerichtet und suche täglich in Google News nach den Begriffen »Coworking« und »Co-Working«. Seit Kurzem, auf Empfehlung, recherchiere ich auch nach diesen Begriffen in der GENIOS-Datenbank.

Wirkung ist wichtiger als Reichweite.

Den Kanal zu betreiben ist eine Beschäftigung für nebenbei, ohne großen Druck, aber mit viel Spaß bei der Sache. Inzwischen stieg aber nicht nur die Anzahl der Abonnent:innen an, es sind Stand heute 281 Menschen, sondern auch die Wahrnehmung des Kanals.

Zwar sind 281 Leute, die den Kanal abonniert haben, nur ein Bruchteil von den Follower:innen, die ich auf anderen Plattformen habe (bspw. Twitter: 6.575), aber ich mache immer wieder die Erfahrung, dass der Kanal die höchste Wirkung erzielt.

Ich werde regelmäßig auf den Kanal angesprochen. Wer mit dem Thema Coworking zu tun hat, bekommt den Kanal als Wissensquelle empfohlen. Inzwischen werde ich auch gebeten, darüber Stellenausschreibungen und Veranstaltungshinweise zu teilen.

Im Sommer wurde in einem Persona-Workshop von Coworking-Expert:innen, einer zu definierenden Persona die Eigenschaft »liest jeden Morgen ›Kremkaus Links‹ auf Telegram« zugeschrieben. Der Kanal ist in der deutschen Coworking-Szene bekannt.

Wie geht es mit dem Kanal weiter?

Meine Elternzeit endet bald und ich werde dann wieder Vollzeit arbeiten. Für den Kanal werde ich mir aber weiterhin Zeit nehmen. Ich werde ihn also so gut es geht unverändert fortführen. Wie das klappt, neben meiner Familie und meiner Arbeit, werden wir sehen.

Wie ich ihn weiterentwickeln kann, sehe ich leider nicht. Falls jemand eine Idee hat, würde ich mich über einen Tipp freuen. Momentan denke ich über einen Podcast oder ein Videocast als nächste Stufe von »Kremkaus Links« nach. Was haltet ihr davon?

Eine Sache noch: Das Schreiben dieses Beitrags hat sich wie eine kleine Feier eines Meilensteins angefühlt. Gerade in diesen von Einschränkungen geprägten Zeiten, ein schönes Gefühl. Ein Alt-Berliner Sprichwort sagt: Feiert die Feste, wie sie fallen. Das ist die hohe Kunst. 😀

Verein startet Coworking Space im schweizerischen Trogen

In Trogen in der Schweiz (nicht mit der bayerischen Gemeinde nordöstlich von Hof zu verwechseln), rund 20 Autominuten östlich von St. Gallen gelegen, hat der Verein »trogen.work« ein Coworking Space als Pilotprojekt initiiert. Dafür verantwortlich sind drei vom Homeoffice gefrustete Anwohner:innen, schreibt die Zeitung Tagblatt.

Seit ein paar Wochen bereits kann an zwei Standorten mit insgesamt acht Arbeitsplätzen Coworking erlebt werden. Das erste Fazit fällt positiv aus und so verfestigt sich die Idee, dauerhaft im Ort ein Coworking Space zu etablieren. Dies könnte durch eine Kooperation der Gemeinde mit der Genossenschaft »Village Office« sogar möglich werden.

An diesem Rural-Coworking-Projekt sind zwei Punkte wichtig: Zum einen sollte vor der Gründung eines Coworking Spaces das Konzept in einem Test vorgestellt und erlebbar gemacht werden. Zum anderen ist eine Kooperation mit der Gemeinde, die von so einem Vorhaben enorm profitiert, wichtig, um beispielsweise Zugang zu Förderungen zu bekommen.

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

Zwei Kommentare zu Coworking-Meldungen in der Zeitung

1️⃣ In der taz las ich heute Morgen den Artikel von Alina Schwermer über in Schwellenländern arbeitende Digital Nomads (bisher nur gedruckt auf Seite 35 zu finden), deren Lebensverhältnisse Erinnerungen an die Kolonialzeit wecken. Darin schreibt sie u.a. diesen Satz: »Letztens brachte der Spiegel eine Sehnsuchtsgeschichte über eine digitale Nomadin. Fest angestellt für eine Agentur arbeitete sie als Recruiterin auf Bali, in hübschen Co-Working-Spaces, wo keine Einheimischen stören.«

Eine sehr treffende Beobachtung, die ich, auch wenn ich noch nie auf #Bali war, nach Gesprächen mit balinesischen Betreiber:innen von Coworking Spaces bestätigen kann. Diese haben mir berichtet, dass all diese Orte am Strand, an denen sich Digital Nomads aus westlichen Ländern so gerne aufhalten, gar keine Coworking Spaces sind und nichts mit der balinesischen Coworking-Szene, die es sehr wohl gibt, zu tun haben. Dies nur als Randbemerkung für die Familiengespräche beim Abendbrot über Coworking auf Bali.


2️⃣ Im Interview mit der Zeitung Potsdamer Neueste Nachrichten spricht Brandenburgs Infrastrukturminister, Guido Beermann (CDU), über Stadtentwicklung mit Corona. Auf die Frage, welche Auswirkungen Corona auf die Innenstädte haben wird, sagt der Minister: »Wo der Einzelhandel rausgeht, kann zum Beispiel ein Co-Working-Space einziehen oder ein nichtstörendes Gewerbe.« Eine inzwischen gängige Sichtweise, die sicherlich nicht nur mir zuletzt schon öfters in Presseberichten begegnet sein wird.

Wenn die Strategie ist, dass statt des Einzelhandels ausgerechnet Coworking Spaces leere Ladenflächen anmieten werden, sind unsere Innenstädte verloren. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass das Geschäftsmodell, auf gemieteter Fläche mit Dienstleistungen Geld zu verdienen, sehr krisenanfällig ist. Dazu kommt, dass die wenigsten Coworking Spaces die finanzielle Ausdauer haben, eine Nachfrage in kleineren oder mittelgroßen Orten zu erzeugen. Coworking allein ist kein eine Miete zahlendes Geschäftsmodell.

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

Über Coworking für Jugendliche, in der Kirche und auf dem Land

1️⃣ Jugendliche aus Wennigsen in Niedersachsen, einem Ort rund 15 km südwestlich von Hannover gelegen, können das Jugendhaus ab sofort als Coworking Space nutzen, berichtet die Hannoversche Allgemeine. Das neue Angebot soll Schüler:innen Abwechslung im Lockdown-Alltag bieten und fokussiertes Homeschooling, nur eben nicht im eigenen Zuhause, ermöglichen. Diesmal hilft also kein Coworking Space selbst, wie zuletzt öfters geschehen, sondern das Prinzip Coworking wird auf einen existierenden Ort angewendet.


2️⃣ Beim Thema Homeschooling könnten auch Kirchenräume helfen, findet der hessische Pfarrer Jörg Niesner. Wie die Webseite Evangelisch​.de schreibt, verweist Niesner darauf, dass die Kirche seit Jahrhunderten auch ein außerschulischer Lernort war, der in der Corona-Pandemie gut für Unterricht oder auch zum mobilen Arbeiten genutzt werden könnte. Dass Kirchen ein ungenutztes Potential haben, mit Coworking neue Ansätze in der Gemeindearbeit, aber auch der Nutzung ihrer Räume, zu gehen, wird immer öfters gesehen.


3️⃣ Was Coworking ist, welchen Mehrwert ein Coworking-Angebot auch im ländlichen Raum hat, vor allem in der Corona-Pandemie, zeigt die Fernsehsendung Brandenburg Aktuell in einem kurzen TV-Bericht über das »Coworking Oderbruch« in Letschin in Brandenburg. Torsten Kohn, Leiter des ostbrandenburgischen Coworking Spaces, berichtet von einer erhöhten Nachfrage seit dem ersten Lockdown im März 2020. Und trotzdem ist dieses ländliche Coworking-Angebot, das für viele ein benötigter Ersatz zum Homeoffice ist, nur durch die Förderung der regionalen Wirtschaftsförderung möglich. Rechnen tut es sich (noch) nicht.

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

Hamburger Sozialamt bucht Räume im »Neues Amt«

Über den geplanten Coworking Space »Neues Amt«, der 2023 in Hamburg-Altona eröffnen soll, habe ich hier in der Gruppe bereits berichtet. Die dahinterstehende Genossenschaft konnte nun einen ersten größeren Ankermieter vermelden.

Die Hamburger Sozialbehörde hat sich eine ganze Etage in dem Neubau aus Holz gesichert. Diese sollen kleineren, ehrenamtlichen und zivilgesellschaftlichen Initiativen zur Verfügung stehen und die Vernetzung und den Austausch unter den Akteuren fördern.

Die benötigten Genossenschaftsanteile sowie die monatliche Nutzungsgebühr übernimmt die Sozialbehörde für mindestens fünf Jahre, berichtet das Hamburger Abendblatt. Auf der etwa 300 Quadratmeter großen Etage werden bis zu 50 Personen arbeiten können.

Quelle: Hamburger Abendblatt vom 13.02.2021 Seite 12, via VÖBB

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

»Neuland 21« erforscht Homeoffice

Zwischen Oktober und Dezember letzten Jahres hat der Verein »Neuland 21« eine Umfrage zum Thema Homeoffice in der Region Hoher Fläming in Brandenburg durchgeführt. Die Erhebung wurde nun ausgewertet und mit denen anderer Regionen abgeglichen, berichtet die Zeitung Märkische Allgemeine.

Alle Teilnehmer:innen gaben an, dass das Homeoffice für sie keine Ausnahme mehr darstelle. Seit dem ersten Lockdown hat sich die Anzahl der täglich zu Hause arbeitenden Menschen sogar verdreifacht. 85 Prozent schätzen daran die eingesparte Pendelzeit, aber auch die selbstbestimmte Tagesplanung findet Gefallen.

Der fehlende Austausch mit Kollegen ist ein Manko, sowie die fehlende Trennung zwischen Beruf und Privatem im Homeoffice. Hier könnten zumindest Coworking Spaces einen Ersatz anbieten, auch was soziale Interaktionen mit anderen angeht. Wie Arbeitgeber:innen dies sehen, wird momentan erforscht.

Interessant ist auch der im Artikel angesprochene Aspekt der Verwaltung. Die des Landkreises Potsdam-Mittelmark hat durch ihre Dienstvereinbarung vom März 2020 Telearbeit ermöglicht. Inzwischen nutzen 33 Prozent der rund 1.000 Verwaltungsangestellten diese Option, staunt sogar der Ressortchef.

Quelle: Märkische Allgemeine vom 12.02.2021, Seite 13, via VÖBB

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

Neue Flächen und neue Konzepte im Rheinland

1️⃣ Der Coworking Space »The 9th« in Bonn in Nordrhein-Westfalen, ein guter Name für ein Coworking Space in der Geburtsstadt Ludwig van Beethovens, hat neue Räumlichkeiten bezogen und eröffnet diese trotz der Einschränkungen aufgrund der pandemischen Situation. Wie der General-Anzeiger berichtet, wird mit einem Hygienekonzept und genügend Abstand am neuen Standort sicheres Arbeiten ermöglicht.

Dass die Nachfrage danach, nicht mehr vom Büro oder dem eigenen Zuhause aus zu arbeiten, gerade groß ist, hört man von verschiedenen Coworking Spaces in ganz Deutschland. Kein Wunder, ist Homeoffice nun wirklich nicht für den Menschen der richtige Ort der Arbeit, wie ich erst Mitte dieser Woche im Interview mit dem MDR erklärte. Ein Coworking Space kann da eine attraktive Alternative sein.

2️⃣ Ein Grundgedanke der Coworking-Bewegung ist es, sich die Infrastruktur zu teilen. Dies ist keine neue Idee gewesen und definiert auch nicht den Kern von Coworking, schafft aber die oft gern gesehenen Sekundäreffekte, die aus dem Miteinander entstehen. Deshalb verwundert es nicht, dass das Prinzip, das inzwischen mit dem Begriff Coworking gleichgesetzt wird, auch in andere Branchen und an anderen Orten Einzug hält.

Jüngstes Beispiel ist das »Düssel Mami«, eine Art Coworking Space für das Baby-Business in Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen, das die Rheinische Post in einem Artikel vorstellt. Damit möchte Gründerin Melanie Kornetzki verschiedene Dienstleistungen, die werdende und junge Eltern brauchen, an einem Ort zu verbinden. Die Anbieter:innen von beispielsweise Beratungs-, Sport- oder Präventionskursen können sich in dem Coworking Space einbuchen.

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.

MDR-Interview zum Homeoffice

🔗 Fünf Wahrheiten über das Arbeiten im Homeoffice – und Prognosen für die Zukunft.

Der MDR-Redakteur Daniel George hat mich für »MDR Sachsen-Anhalt« zum Thema Homeoffice und mobiles Arbeiten interviewt. In dem Gespräch erkläre ich, dass das, was wir gerade als Homeoffice erleben, eher ein Zwang von Zuhause aus zu arbeiten ist und weniger ein durchdachtes Konzept für ortsunabhängige Arbeit. Deshalb plädiere ich, für die Zeit ohne Kontaktbeschränkungen, dass Angestellte die Handlungsfreiheit erhalten, für sich herauszufinden und zu entscheiden, wann sie von wo arbeiten möchten.

„Es wird weiterhin Büros geben, aber sie werden eine andere Funktion einnehmen. Mit Kollegen und Kolleginnen zusammenzuarbeiten, wird an Bedeutung gewinnen.“

Tobias Kremkau

CoworkingMap gestartet

Seit heute gibt es mit Coworkingmap.de ein ambitioniertestes Projekt, das die deutschsprachige Coworking-Szene sichtbarer machen möchte. Nach dem scheinbaren Aus von Coworking.de, zumindest ist die Webseite seit Monaten nicht mehr erreichbar, gibt es damit wieder eine vermeintliche Instanz, wenn es um das Auffinden von Coworking Spaces geht. Doch es geht um mehr als Coworking Spaces.

Die Macher haben bewusst einen weiten Begriff von Coworking gewählt und zeigen auch Cafés bzw. Lounges, in denen man arbeiten kann, sowie Makerspaces und Gründungszentren, Workation/Retreats und Bürogemeinschaften (worunter auch Serviced-Office-Anbieter und Business Center fallen) in der Karte an. Über einen Filter lassen sich die verschiedenen Orte auch getrennt voneinander anzeigen.

Eine sehr tolle Funktion auf der Karte ist die Option, mehr über das Umfeld der eingetragenen Orte zu erfahren. So ist es möglich, sich neben Bahnhöfen, Bahnverbindungen und Ladesäulen für Elektroautos, auch Gewässer und Wälder anzeigen zu lassen. Damit kann man Coworking Spaces nach seinen eigenen Vorlieben entdecken. Ein Routenplaner zeigt einem sofort den Weg dahin an.

Die Karte ist nicht auf Deutschland begrenzt. Schon jetzt sind auch Orte aus Österreich auf der Karte eingetragen. Weitere aus der Schweiz könnten laut den Machern folgen. Das Team hinter »CoworkingMap« besteht aus »cobaas«-Gründer Thomas Wick, Gerwin Müller und Christer Lorenz, der bereits nach einer von mir erstellten Liste die Karte ostdeutscher Coworking Spaces gebaut hat.

Gesundheit in Coworking Spaces wird erforscht

Ab Dezember findet im Kreuzberger Coworking Space bUm ein Forschungsprojekt verschiedener Betriebskrankenkassen zum Thema Gesundheit und Neue Arbeit statt. Das Präventionsprojekt ist von den Betriebskrankenkassen BKK·VBU, Salus BKK und pronova BKK initiert. Es findet im Rahmen des zweijährigen Programms betterplace well:being statt. Ziel ist es, die Gesundheit von Akteur:innen aus dem sozialen Sektor zu fördern und eine regenerative Kultur im Bereich Neue Arbeit zu stärken.

Deshalb wird vor allem die Zusammenarbeit in neuen Arbeitsformen und -umgebungen untersucht. In Umfragen geben stets um die 90 Prozent der Coworker:innen an, dass sie das Arbeiten in einem Coworking Space als gesünder wahrnehmen. Ein subjektiver Eindruck des psychischen Wohlbefinden in einem Coworking Space, aber es lassen sich deshalb keine Rückschlüsse über den Einfluss dieser Umgebung auf die Gesundheit ziehen. Mit diesem Forschungsprojekt helfen Betriebskrankenkassen, dass wir die Wirkung und den Einfluss von Coworking auf unsere Gesundheit besser verstehen.

Noch ein paar Worte zum bUm selbst: Das Coworking Space unterstützt gemeinnützige Organisationen und sozial engagierte Akteur:innen. Es bietet ihnen Raum zum Arbeiten, Lernen und für Veranstaltungen. Ein sehr passender Ort für ein derartiges Projekt. Eigentlich wollte Google in dem ehemaligen Umspannwerk einen weiteren Campus eröffnen, zog sich aber nach Protesten von Anwohner:innen zurück. Sie übergaben den Ort an betterplace und KARUNA, die hier im Oktober 2019 das bUm eröffneten.

Zuerst gesehen in “Kremkaus Links“.

Neues Arbeiten und Wohnen trotz Leerstand

Gestern telefonierte ich mit dem Gründer eines in wenigen Monaten eröffnenden Coworking Spaces in Brandenburg an der Havel. Dabei kamen wir auch auf das Thema gewerblichen Leerstand in der Stadt zu sprechen und welche Aussagekraft dieser für die Nachfrage nach einem Coworking-Angebot hat.

Braucht es denn ein Angebot an flexibel zu nutzenden Büroflächen, wenn es auch Leerstand gibt? Coworking Spaces sind fertig eingerichtet und durch flexible Kündigungsmodalitäten attraktiv. Verglichen mit der Direktanmietung von Flächen, aber auch teurer. Man zahlt für Service, nicht für Quadratmeter.

Die Leerstandsquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den Anteil der leerstehenden Objekte am Gesamtbestand wiedergibt. Sie errechnet sich, indem man den Leerstand durch Gesamtbestand dividiert und diese Zahl mit 100 Prozent multipliziert.

Ich gab zu bedenken, dass die Leerstandsquote allein wenig aussagt. Und doch wird ihr, beispielsweise bei der Bewertung von Immobilienunternehmen, aber auch als Konjunkturindikator, sehr viel Beachtung geschenkt. Was sie aber nicht aussagt, ist, in welchem Zustand die leerstehenden Immobilien sind.

Gewerblicher Leerstand

Als wir vom St. Oberholz, im Auftrag der Sparda-Bank Berlin eG, Anfang 2018 eine Marktanalyse des Standorts Frankfurt (Oder) für ein Coworking Space vorgenommen haben, fiel uns der hohe Grad an gewerblichem Leerstand in der Stadt auf. Bei genauerer Betrachtung war dieser allerdings in einem schlechten Zustand.

Die Räume wirkten alles andere als attraktiv, keiner besaß einen auch nur im Ansatz als schnell zu bezeichnenden Internetanschluss und die gewünschten Vertragslaufzeiten waren unattraktiv. Es schien uns, dass wir mit einem auf Flexibilität und einem 1 Gbit/s -Internetanschluss setzenden Angebot punkten werden können.

Dem war auch so. Verglichen mit Berlin, hat es zwar länger gedauert, das „BLOK O“ voll zu bekommen, rund 10 Monate statt nur 6 Wochen, aber es sind vor allem kleine Firmen, sowie Teams aus Corporates, die zu uns kamen. Ein Grund waren unseren modernen, voll ausgestatteten Räumen und das schnelle Internet.

Und Wohnungsleerstand?

Ähnliches berichtet Frederik Fischer nach seinen Erfahrungen mit dem „Summer of Pioneers“ in Wittenberge. Auf LinkedIn schreibt er über das Thema Wohnungsleerstand: „Die Leerstandsquote ist in dieser Form eine irreführende Metrik.“ In einem Kommentar unterm Beitrag geht er dann näher auf das Problem ein:

Das Problem ist aber: Wer aus Berlin ins Umland zieht, möchte nicht “irgendwie” wohnen. Ein Großteil der leerstehenden Wohnungen sind billig renoviert oder schlicht nicht bewohnbar. Schön renovierte Wohnungen mit guten Schnitten und Nähe zur Natur (ein wichtiger Beweggrund für den Wegzug aus der Stadt) sind dagegen kaum zu finden. Viele Großstädter, die sich eigentlich ein Leben in Wittenberge vorstellen könnten, entscheiden sich aufgrund des unattraktiven Angebots dann doch dagegen.

Frederik Fischer auf LinkedIn

Was Frederik Fischer hier anspricht, ist das Thema Lebensqualität, dass auch beim Thema mobiles Arbeiten oft vergessen wird. Auch wenn viele Menschen heutzutage von nahezu überall arbeiten könnten, werden sie das nicht dort machen, wo es ihnen nicht gefällt oder sie nicht nach ihren Vorstellungen leben können.

Ehemalige "Kaufhalle Mitte" in Kyritz – von Oktober 1979 bis Juni 2016.
Ehemalige “Kaufhalle Mitte” in Kyritz – von Oktober 1979 bis Juni 2016.

Die Politik ist gefragt

Leerstand an sich, sagt wenig über das Potential von Orten aus. Gewerbliche Konzepte brauchen aber in der Peripherie länger als in der Metropole, bis sie funktionieren. Vor allem bei etwas Exotischem wie Coworking. Hier könnte die Wirtschaftsförderung durch mietfreie Zeiten und Fördermittel unterstützend agieren.

Beim Beispiel Wohnen könnte die Politik mit Förderinstrumenten helfen, dass Leerstand wieder aktiviert werden kann und sich für Investoren auch bei niedrigen Quadratmeterpreisen lohnt. Nicht mehr der Profit darf das alleinige Maß für Investitionen und Kredite sein, sondern auch der gesellschaftliche Nutzen.

Es braucht Platz für neue Ideen und Entwicklungen. Kommunen in der Peripherie oder im ländlichen Raum werben damit. Doch nur die Wenigsten tuen etwas dafür, dass Leerstand genutzt werden kann – mit einem verringerten Risiko für die Pioniere, die es wagen, weit draußen aus den Großstädten etwas zu starten.

Bilder von Tobias Kremkau.

5 Lektionen aus 1 Jahr Coworking in Guben

Gestern berichtete die Lausitzer Rundschau vom ersten Geburtstag des Coworking Spaces „K24 – Dein Ideenladen“ aus Guben. Mit fünf Mitgliedern im ersten Jahr ist der Erfolg dann doch überschaubar. Das ist aber im Grunde in Ordnung. Schließlich haben von Größe (vier Arbeitsplätze) und Lage (Ort mit 20.000 Einwohnern) vergleichbare Coworking Spaces anfangs eine ähnliche Entwicklung genommen. Guben ist auch nicht Berlin.

Der Artikel von Daniel Schauff lässt vermuten, dass es aber ganz andere Erwartungen an das Coworking Space gab. Außerdem ist herauszulesen, dass das Projekt von Anfang an nicht auf viel Akzeptanz gestoßen ist. Mit etwas Recherche lassen sich auch viele Versäumnisse entdecken, die der Entwicklung des Projektes nicht gutgetan haben. Das ist bedauerlich, denn das „K24“ hat(te) durchaus die Chance, als etwas Innovatives zu gelten.

Allein der Name war fast ein Politikum: „Co-working Space“. So richtig wollte das nicht nach Guben passen, befand vor ziemlich genau einem Jahr auch Bürgermeister Fred Mahro (CDU).

Daniel Schauff, Redakteur der Lausitzer Rundschau

Die meisten Kommunalpolitiker*innen würden sich freuen, wenn jemand bei ihnen ein Coworking Space startet. Der Bürgermeister von Guben scheint sich aber schon an einem anglizistischen Fachbegriff gestört zu haben. Kein guter Start. Statt den Menschen zu vertrauen, dass sie sich mit dem Begriff Coworking vertraut machen, wurde ein etwas kryptischer Name gewählt. Nicht der einzige Fehler der Gubener Coworking-Initiative, weshalb ich hier fünf Ratschläge an Coworking-Gründer*innen teilen möchte:

1. Coworking erklären.

Es ist wichtig, dass erklärt wird, worum es beim Coworking geht und wie die Menschen es für sich nutzen können. Diese „Übersetzungsarbeit“ ist notwendig, damit Menschen sich über ihre Arbeitsbedingungen Gedanken machen. Als Energie sparendes und Konflikte meidendes Wesen, neigt der Mensch dazu, den Status Quo nur selten zu hinterfragen. Dies ist aber bei etwas Neuem und Unbekannten wie Coworking sehr wichtig.

Aus diesem Grund finde ich die im Artikel erwähnte Anmerkung von Kritikern, dass es bisher keine Nachfrage gab, irrelevant. Man muss bei etwas wie Coworking, gerade an mit dem Konzept noch nicht vertrauten Orten, erst ein Angebot schaffen, dass Nachfrage erzeugt. Hier gibt es noch keinen Markt und eine ein Produkt nachfragende Zielgruppe. Beides muss erst geschaffen werden und das braucht Zeit. Meiner Meinung sogar weit mehr als ein Jahr.

2. Sichtbar machen.

Der Mangel an Mut, eine bessere Begrifflichkeit als „K24 – Dein Ideenladen“ gewählt zu haben, ist keine Katastrophe. Dass das Gubener Coworking-Angebot aber online nahezu unsichtbar ist, stellt ein echtes Problem dar. Das Coworking Space besitz keine eigene Webseite, sondern nur eine Unterseite der GuWo-Webseite. Auch gibt es in keinem einzigen sozialen Netzwerk ein Profil des Coworking Spaces. Nicht einmal auf Facebook.

Der für mich größte Fehler ist, dass es keinen Eintrag auf Google Maps gibt. Dieser Kartendienst von Google ist die vermutlich beste Coworking-Suchmaschine der Welt. Und die GuWo, die selbst einen ungepflegten Eintrag besitzt, hat weder zur Gründung noch zum ersten Geburtstag, dem eigenen Coworking Space einen Eintrag spendiert. Wie sollen Menschen das Coworking Space finden, wenn es online einfach gar nicht sichtbar ist?

3. Viel kommunizieren.

Durch das Fehlen der Profile in den sozialen Netzwerken, fehlt auch die Möglichkeit, über das Coworking Space zu berichten. Auf Instagram könnte das Coworking Space vorgestellt werden und Menschen einen Eindruck von den Räumlichkeiten bekommen. Auf Facebook und LinkedIn könnten die Mitglieder präsentiert werden, die die Community bilden. Dadurch lassen sich mögliche Synergien sichtbar machen. Dies alles findet nicht statt.

Beim Coworking geht es um das Miteinander, die Erfahrung sozialer Interaktion mit anderen Menschen. Erst wenn das passiert, entsteht der Serendipitätseffekt, die vermeintlich zufällige Entdeckung von etwas für einen Wertvollem. Dazu muss mir aber in Bildern und Geschichten auch der Eindruck vermittelt werden, dass sich andere Menschen in dem Coworking Space aufhalten. Dafür braucht es aber erst einmal überhaupt Kommunikation.

4. Konzept auch ändern.

Im Coworking kommen mir sechs Monate oft wie zwei Jahre in einem alten Job vor. Deshalb muss man das Konzept auch stets anpassen. Vor allem nach dem ersten Kontakt mit Mitgliedern, versteht man deren Bedürfnisse besser. Diese sollten man zwar schon vorab ermitteln, aber es kann vorkommen, dass Leute auch erst im Begtrieb mit eienm darüber reden. Deshalb muss das Konzept von Zeit zu Zeit auch verändert werden können.

In Guben gibt es nur vier Arbeitsplätze. Von einem Besprechungsraum für Meetings, den auch externe Kunden buchen können, lese ich nichts. Dabei wäre das ein Standard und ein oft schneller angenommenes Produkt. Der Preis von 200 Euro brutto im Monat ist hoch, vor allem im Vergleich mit Coworking Spaces in Frankfurt (Oder) und Cottbus. Mein Ratschlag wäre, dass Angebot, mit der gemachten Erfahrung und neuen Entwicklungen beim Thema mobiles Arbeiten, zu überarbeiten.

5. Sich helfen lassen.

Man muss das Rad nicht neu erfinden. Inzwischen gibt es einige Unternehmen, die zum Thema Coworking beraten. Wir vom St. Oberholz haben beispielsweise die Sparda-Bank bei der Gründung des Coworking Spaces „BLOK O“ in Frankfurt (Oder), rund 50 Kilometer nördlich von Guben, beraten und betreiben es auch seit dem Start im Oktober 2018 für die Bank. Beratung ist teuer, aber wer sie sich leisten kann, bekommt professionelle Arbeit.

Finanziell preiswerter ist Unterstützung, dazu muss man sich nur selbst in Netzwerken engagieren, sie sich also verdienen. Eine Mitgliedschaft des „K24“ in der German Coworking Federation (GCF) hätte die GuWo nur 250 Euro im Jahr gekostet. Dafür wäre sie Mitglied eines sich untereinander helfenden Netzwerks gewesen. Diese fünf Tipps hätte man dort schon vor einem Jahr bekommen können, wenn man nur nach Starthilfe gefragt hätte.

Photo by Isabella and Louisa Fischer on Unsplash.

Feedback zu „Arbeitsplatz: Ein paar Quadratmeter Wertschätzung“

Amna Franzke ist eine wirklich lesenswerte Autorin, die für ZEIT Online schreibt. Mir gefallen ihre Beiträge, sie bereichern meinen Blickwinkel und lehren mich Sachen, auch über mich selbst, die mir bis dahin nicht bekannt waren. Es ist wichtig, und wenn man das einmal erlebt hat, versteht man auch warum, dass man sich mit den Meinungen von Menschen auseinandersetzt, die eine andere Realität leben und deshalb andere Erfahrungen machen.

Deshalb muss ich aber nicht mit jedem ihrer Artikel auch persönlich übereinstimmen. Heute erschien ein Kommentar von ihr, der für mich Sinnbild des Debattenniveaus in den Medien ist, wenn es um das Thema Arbeitplatz der Zukunft geht. Franzkes Beitrag ist also nicht das Problem, sondern nur eines von vielen Beispielen für das Problem: Es wird mit einer thematisch zu geringen Breite über die Zukunft des Arbeitsplatzes diskutiert. Dabei werden viele Entwicklungen und Punkte außer Acht gelassen. Dies sollten wir schnellstens ändern.

Jedem sein Arbeitsplatz.

Das Büro, wie auch das Homeoffice, ist eine von vielen Optionen, von wo man seiner Tätigkeit nachgehen kann. Es wird weiterhin eine Bedeutung haben, aber nicht mehr für das klassische Arbeiten, das morgens ins Büro fahren, um an seinem Schreibtisch zu sitzen, wie wir es kennen. Alle Aufgaben, die man mit einem tragbaren Computer erledigen kann, sollten von da erledigt werden, von wo man das möchte. Dies kann weiterhin das Büro sein, muss es aber nicht.

Das Büro muss einen stärkeren Fokus auf das Erleben der sozialen Erfahrungen von Arbeit richten. Deshalb muss ich auch nicht in meinem eigenen Glaskasten sitzen, um meine Aufgaben zu erledigen. Vielmehr braucht es Flächen, an denen man mit seinen Kollegen zusammenkommen kann. Zum Austausch, aber auch zur Zusammenarbeit. Büros sind für Teams da und nicht als Arbeitsplatz, an dem nicht mehr als die Fokusarbeit von Einzelnen erledigt wird.

Diese machen manche Menschen lieber daheim. Andere nicht, aus nachvollziehbaren Gründen. Es kann dort laut sein oder es gibt anders zu tun, dass man nicht aus dem Blickfeld bekommt. Diese Menschen gehen vielleicht zum Arbeiten in ein Café, die Bibliothek in der Nachbarschaft oder auch in ein Coworking Space. Es gibt so viele Optionen für einen zu einem passenden Arbeitsplatz. Deshalb braucht es kein „Recht auf Büro“ und auch kein „Recht auf Homeoffice“.

Debatte ohne Tiefgang.

Was es wirklich braucht, dass ist die Handlungsfreiheit, selbstbestimmt entscheiden zu können, wann man von wo arbeiten möchte. Dafür braucht es eher ein „Recht auf mobiles Arbeiten“, vor allem aber eine neue Arbeitskultur in den Unternehmen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Medien führen eine Debatte auf dem Stand der 1990er Jahre, wobei die Realität, also eine Realität von vielen, die in der Arbeitswelt existieren, schon weiter ist.

Sogar hierzulande gibt es tolle Beispiele für den Vertrauensarbeitsplatz. Und ja, auch dies wird zu Recht unter dem Beitrag von Amna Franzke kommentiert, gilt dies nur für Leute mit Tätigkeiten, die sich mit einem tragbaren Computer erledigen lassen. Neben einem „Recht auf mobiles Arbeiten“ sollten wir, auch die Medien, diskutieren, wie wir die Arbeitswelt für alle Menschen freier und sinnerfüllter gestalten können. Arbeit ist kein Elitenprojekt.

Darum ging es in dem Kommentar von Amna Franzke nicht, weshalb ich hier nicht weiter darauf eingehen möchte. Wichtig ist aber, und dazu sind wir alle, die berufstätig sind oder es (wieder) werden wollen, aufgerufen, dass wir uns Gedanken dazu machen, wie wir arbeiten wollen. Mit diesen Vorstellungen können wir eine Debatte bereichern und verändern. So können wir, die Zukunft unseres Arbeitsplatzes aktiv mitgestalten.

Screenshot von ZEIT Online.

Wie viele Coworking Spaces gibt es in Deutschland?

Ob das Zählen von Dingen in unserer Gesellschaft eine Zwangsstörung oder nur eine Angewohnheit ist, können wir erst feststellen, wenn wir es sein lassen. Empfinden wir dann einen Leidensdruck, handelt es sich um eine Zwangsstörung. Wenn nicht, dann zählen wir scheinbar einfach nur gerne Dinge, wie zum Beispiel Coworking Spaces in Deutschland.

Laut einer nicht veröffentlichten Markterhebung des Bundesverbandes Coworking Spaces Deutschland e.V. (BVCS) aus dem Mai 2020, zu der es aber eine Pressemitteilung gibt, existieren momentan 1.268 Coworking Spaces und -flächen in Deutschland. Dies wäre angeblich eine Vervierfachung von Coworking Spaces innerhalb der letzten 24 Monate.

Es gibt nur zwei große Probleme mit diesen Aussagen: 1. Wir wissen nicht, wie sie zustande gekommen sind, denn es gibt keinerlei Angaben zur Methodik oder den Daten dieser Markterhebung. 2. Der Absender ist gar keine eigenständige Interessenvertretung der hiesigen Coworking Spaces, sondern nur ein getarnter Vertriebskanal der Cowork AG.

Die fehlende Methodik

Eine Studie besitzt stets einen Methodikteil, der bestimmte Gütekriterien gewährleisten soll. In diesem wird erklärt, welche Methode man angewendet hat, um die untersuchte Fragestellung zu beantworten. Dabei wird auch angegeben, wie Daten erhoben wurden sind, welche Eigenschaften die Daten haben, wie sie ermittelt und wie sie analysiert wurden.

Dadurch erreicht eine quantitative Untersuchung, wie das Zählen von Coworking Spaces, drei Gütekriterien: Validität, Reliabilität und Objektivität. Validität bedeutet, dass die Messung valide ist, also das gemessen wurde, was gemessen werden sollte. Überprüfbare Ergebnisse sind reliabel, sowie objektiv, also frei von ungewollten Einflüssen durch Dritte.

Zur Validität der Markterhebung durch den BVCS gibt es keine Aussagen. Wichtig wäre zu wissen, wie sie ein Coworking Space definieren, also was sie gezählt haben und was nicht. Da die Methodik nicht bekannt und die Daten nicht vorliegen, können diese nicht überprüft werden. Und an der Objektivität bestehen beim jüngst in Erscheinuung getretenen BVCS starke Zweifel.

Der falsche Verband

Es ist unklar, wann genau der Bundesverband Coworking Spaces Deutschland e.V. gegründet wurde. Dessen Domain existiert bereits seit dem 10. November 2018. Beim Handelsregister gab es Ende Mai 2020 noch keinen Eintrag zu diesem Verbandsnamen (Update: Inzwischen gibt es einen Eintrag, Amtsgericht Augsburg VR 202418). Auf der Webseite des BVCS gibt es keine Angaben zur Geschichte des Verbands, geschweige denn eine Satzung.

Der Verband trat das erste Mal am 18. Mai 2020 in einer Nachricht von Tobias Kollewe im Slack-Workspace der German Coworking Federation e.V. (GCF) in Erscheinung. Die GCF ist der 2015 gegründete Verband der deutschen Coworking-Szene. Kollewe, bis dahin Mitglied im GCF-Vorstand, gab bekannt, dass er die GCF verlassen wird und den BVCS gegründet hat.

Warum gründet ein Vorstandsmitglied eines Coworking-Verbandes einen weiteren Coworking-Verband? Die Gründe sind unklar, lassen sich aber bei den wenigen, bekannten Informationen zum BVCS erahnen. Alle öffentlich als Verbandsmitglieder erkennbaren Personen sind Angestellte der Cowork AG, deren Geschäftsführer Tobias Kollewe ist.

BVCS = Cowork AG

Auf der BVCS-Webseite steht Tobias Kollewe als Präsident und Vorstandsvorsitzender – auch Gründer und Vorstand der Cowork AG. Und Axel Minten, als Vizepräsident und Vorstand – auch Wissenschaftlicher Leiter Coworking der Cowork AG. Sowie Dilruba Aydingünes, Referentin für Mitglieder und Kommunikation – auch Coworking Managerin der Cowork AG.

Im Footer der BVCS-Webseite gibt es einen Link zum Blog „COWORKINGMAG“, dem laut eigenen Angaben Magazin des BVCS. Nahezu alle Artikel sind von Isabel Grevenstein geschrieben, die als Redakteurin für das Magazin tätig und Trainee Public Relations bei der Cowork AG ist. Jede Spur vom BVCS führt immer wieder zur Cowork AG, Kollewes Firma.

Ein Beratung zum Thema Coworking verkaufendes Unternehmen, dass vor weniger als zwei Jahren aus der umbenannten Unternehmensberatung cnslt.io entstanden ist, betreibt einen vermeintlichen Branchenverband und ein selbsternanntes Branchenmagazin. Allerdings ohne engagierte Mitglieder der Branche, sondern nur mit eigenen Angestellten.

Gefährlicher Fake

Diese Verlogenheit kann keinen Erfolg haben. Sie könnte einem auch egal sein, wenn nicht Medien unkritisch die ihnen nicht bekannte Markterhebung zitieren würden (bis jetzt u.a. t3n und die Stuttgarter Nachrichten). Oder sich der Landkreis Wolfenbüttel inzwischen vom BVCS bzw. der Cowork AG beraten lassen würden. Dies wird der Coworking-Szene schaden.

Der Bundesverband Coworking Spaces Deutschland e.V. ist ein Fake-Verband und verbreitet scheinbar Fake-News, um sich zu profilieren. Als Mitgründer der German Coworking Federation (GCF), einem Verband von ehrenamtlichen Coworking-Enthusiasten und Coworking Spaces, ist mir das zutiefst zuwider. Ich kann so etwas nicht nachvollziehen.

Vielleicht weil ich gerade über Coworking in Kirchen gebloggt habe, ein biblischer Schlussgedanke: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!“ Die GCF organisiert jedes Jahr die COWORK, eine Konferenz mit BarCamp zum Thema Coworking. Dort wird Wissen offen miteinander und sich gegenseitig helfend geteilt, nicht verkauft. Was tut der BVCS für Coworking?

Bild von Tobias Kremkau.

Ungenutztes Potential: Coworking in Kirchen

Ein Update zu diesem Artikel findet sich am Fuße der Seite.

Im Herbst 2014 schrieb ein unbekannter Autor – laut Seitenquelltext war es Stefan Lesting, ein Blogger und Experte zu den Themen Kirche und Web 2.0 – auf dem Blog frischfischen.de:

 „Für Kirche wäre es in meinen Augen auch denkbar und sogleich innovativ ihre Standorte teilweise zu Coworking Spaces für die kirchlichen Mitarbeiter umzubauen. (…) Ich fände es spannend den Schritt in Richtung Katholischer Coworking Spaces zu gehen und mir bei Bedarf unkompliziert mit Hilfe z.B. einer App den nächsten Schreibtisch unterwegs zu buchen.

Stefan Liesig auf frischfischen.de.

Zwei Sachen sind daran faszinierend. Zum einen schreibt ein szenefremder Autor den Begriff „Coworking“ richtig, ohne den trennenden Bindestrich. Zum anderen äußert er den Gedanken, die dezentralen Möglichkeiten durch die Nutzung von Coworking Spaces auf eine Organisation wie die Katholische Kirche in Deutschland zu übertragen. Fünfeinhalb Jahre und eine globale Pandemie später, sind einige Unternehmen erst soweit.

Im letzten und auch in diesem Jahr schrieben mich zwei Berliner Freikirchen an, die sich mit der Frage beschäftigten, ob Coworking ein Betätigungsfeld für sie als Kirche sein könnte. Es ging ihnen darum, freiwerdende Flächen effizienter zu nutzen und zugleich ein zeitgemäßes Angebot für die Menschen ihrer Gemeinde zu schaffen. Der Gedanke, Coworking und Kirche miteinander zu verbinden, ist also sehr aktuell und beschäftigt Menschen.

Bald werden wir auch in Deutschland das erste Coworking Space in einer Kirche sehen. Momentan gibt es hierzulande noch kein Beispiel für ein kirchliches Coworking-Projekt. Mit Ausnahme profanierter Kirchen, die also entweiht und nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden, wie die ehemalige St. Elisabeth-Kirche in Aachen. Sie ist heute Sitz des Digitalisierung-Vereins digitalHUB, der dort ein eigenes Coworking Space betreibt.

Kirchen und Synagogen in den USA sind weiter

Anders in den USA: Die Synagoge in Flatbush, einem Stadtteil im New Yorker Bezirk Brooklyn, bietet Arbeitsräume an, die man halb- oder ganztags buchen kann. Ebenfalls in Brooklyn steht die als Café und Coworking Space fungierende St. Lydia-Kirche (Pauline Roussel hat sie auf Coworkies.com porträtiert). In Los Angeles gibt es das Epiphany Space, in Chicago das jüdische SketchPad und in Manassas bietet die Haymarket Church Coworking an.

In Dallas gibt es das Coworking Space SyncLife in der Central Christian Church, gegründet von Daryn DeZengotita. Sie ist auch Gründerin von Table Coworking und aktiviert tagsüber ungenutzte Räume als temporäre Coworking Spaces. Bevor sie mit SyncLife ein kirchliches Coworking Space startete, hatte sie bereits eines in der Vereinigte Methodistenkirche White Hall im Osten von Dallas gegründet. Cat Johnson interviewte sie 2018 für Allwork.Space.

In Österreich gründete 2018 das Referat Stadtpastoral der Erzdiözese Salzburg das Coworking Space Mirabell 5, mit dem Ziel, lokalen Sozialunternehmer*innen, die aktiv Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen wie Armut, Diskriminierung oder Umweltverschmutzung entwickeln, einen Ort zu geben. Ein Jahr zuvor startete das Coworking Space Blau10 der reformierten Landeskirche in der Zürcher Altstadt, ebenfalls mit dem Fokus auf lokale Sozialunternehmer*innen.

In Deutschland scheint der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Norddeutschland (Nordkirche) intensiv über Coworking in Kirchen nachzudenken. 2019 besuchten Kirchenvertreter*innen aus Schleswig-Holstein das Cobass in Preetz, den temporären CoWorkLand-Standort in Husum und das Alter Heuboden in Felde. Dabei entstand auch dieser Film für die 5. Landkirchenkonferenz der Nordkirche im vergangenen Jahr:

Wer wirft hierzulande den ersten Stein?

Es gibt viele Gründe, die für von der Kirche betriebene Coworking Spaces oder Kooperationen zwischen Coworking Spaces und Kirchen sprechen. Kirchen könnten ungenutzte Räume wieder zum Leben erwecken und einen in der Wahrnehmung mit ihnen verbundenen Ort schaffen, an dem Menschen zusammenkommen. Sie würden mit einem ebenfalls auf Gemeinschaft, Solidarität und Offenheit setzendes Konzept eine zeitgemäße Interpretation von Kirche aufzeigen können.

Für Coworking Spaces, vor allem in der Stadt, ergeben sich neue Möglichkeit zu gründen oder zu wachsen. Statt in gerade noch bezahlbare Standorte, in inzwischen oft abgelegenen Teilen der Stadt, ziehen zu müssen, da man sich nichts anderes mehr leisten kann, hätte man Zugang zu sehr zentralen Orten der Nachbarschaft, die meist um Kirchen herum geplant wurden. Durch eine Kooperation ließe sich Geld sparen, gerade zu Beginn des Coworking Spaces.

Im ländlichen Raum hat die Kirche ebenfalls viel Leerstand, vermutlich noch mehr als in der Stadt. Neben Kirchen bieten sich auch Pfarrhäuser mit den Gemeindesälen als Coworking Spaces an. Mein Großvater war Pfarrer und der Gemeindesaal im Pfarrhaus in meiner Erinnerung immer offen für die Menschen, die ihn nutzen wollten. Diesen Ansatz von Offenheit und Vertrauen in die Gemeinde kenne ich heutzutage nur von Coworking Spaces.

Für die Menschen, die in den Coworking Spaces arbeiten könnten, würde sich ebenfalls viel verbessern. Egal ob auf dem Land oder in der Stadt, sie hätten einen kürzeren Weg zu ihrem Arbeitsplatz. Dies bedeutet weniger Stress, ein gesünderes Leben, weniger Verkehr und weniger CO2-Emissionen, sowie mehr Zeit für Familie und Freunde. Sie wären auch stärker in ihrer Nachbarschaft eingebunden, was der Zivilgesellschaft vor Ort hilft.

Wer wirft also den ersten Stein?

One more thing…

Am 8. Juli 2020 diskutiert die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers das Thema Kirche und Coworking im ländlichen Raum auf Zoom. Mit Hans-Albrecht Wiehler von CoWorkLand, der Pastorin Ricarda Rabe und dem Pastor Matthias Jung. Hier geht es zur Anmeldung. Viel Spaß.

Update vom 26.10.2020

Ein weiteres Beispiel aus der Schweiz: Die »Reformierte Kirche Erlenbach« hat in ihrem Kirchgemeindehaus ein eigenes Coworking Space als einjähriges Projekt gestartet, um zu sehen, ob Coworking angenommen wird und wie es vielleicht auch die Wahrnehmung und die Gemeinde der Kirche beeinflusst. Ich sehe da sehr viel Potential, denn zur Kirche und ihrem Selbstverständnis passt meines Erachtens ein ebenfalls auf Gemeinschaft, Solidarität und Offenheit setzendes Konzept wie Coworking. So gesehen kann Coworking als eine zeitgemäße Interpretation von Kirche verstanden werden, in Form eines Services für die Menschen.

P.S. Monika Neht vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Nordkirche hat mir den Hinweis auf zwei kirchliche Coworking-Projekte hierzulande zugeschickt, die ich noch nicht kannte. Ich möchte sie deshalb als Korrektur und Ergänzung erwähnen.

1️⃣ Das eine ist die »Villa Gründergeist« in Frankfurt (Main) in Hessen, laut eigenen Angaben Deutschlands erster katholische Coworking Space. Träger ist das Bistum Limburg, für den das Coworking Space zugleich auch kirchliches Innovationzentrum und ein Social Hub für gesellschaftliche Zukunftsfragen darstellt.

2️⃣ Das andere ist das »FishHub«, ein Coworking-Projekt der Landeskirche in #Stuttgart in #BadenWürttemberg. Dieses Coworking Space möchte, ähnlich wie die schon erwähnten Beispiele aus Österreich und der Schweiz, Startups mit der Vision Social Impact und Nachhaltigkeit sowie Ideen im Kontext der Debatte “Digitalisierung und Ethik” unterstützen und fördern.

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