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Feedback zu „Arbeitsplatz: Ein paar Quadratmeter Wertschätzung“

Als eine Folge der COVID-19-Pandemie wird intensiver über die Zukunft des Büros als ein Arbeitsplatz diskutiert. Die Medien machen dabei leider keinen guten Eindruck und fallen vor allem mit Reduzierungen des Themas auf. Doch es gibt mehr als das Büro oder das Homeoffice – und auch wichtigere Fragen.

Amna Franzke ist eine wirklich lesenswerte Autorin, die für ZEIT Online schreibt. Mir gefallen ihre Beiträge, sie bereichern meinen Blickwinkel und lehren mich Sachen, auch über mich selbst, die mir bis dahin nicht bekannt waren. Es ist wichtig, und wenn man das einmal erlebt hat, versteht man auch warum, dass man sich mit den Meinungen von Menschen auseinandersetzt, die eine andere Realität leben und deshalb andere Erfahrungen machen.

Deshalb muss ich aber nicht mit jedem ihrer Artikel auch persönlich übereinstimmen. Heute erschien ein Kommentar von ihr, der für mich Sinnbild des Debattenniveaus in den Medien ist, wenn es um das Thema Arbeitplatz der Zukunft geht. Franzkes Beitrag ist also nicht das Problem, sondern nur eines von vielen Beispielen für das Problem: Es wird mit einer thematisch zu geringen Breite über die Zukunft des Arbeitsplatzes diskutiert. Dabei werden viele Entwicklungen und Punkte außer Acht gelassen. Dies sollten wir schnellstens ändern.

Jedem sein Arbeitsplatz.

Das Büro, wie auch das Homeoffice, ist eine von vielen Optionen, von wo man seiner Tätigkeit nachgehen kann. Es wird weiterhin eine Bedeutung haben, aber nicht mehr für das klassische Arbeiten, das morgens ins Büro fahren, um an seinem Schreibtisch zu sitzen, wie wir es kennen. Alle Aufgaben, die man mit einem tragbaren Computer erledigen kann, sollten von da erledigt werden, von wo man das möchte. Dies kann weiterhin das Büro sein, muss es aber nicht.

Das Büro muss einen stärkeren Fokus auf das Erleben der sozialen Erfahrungen von Arbeit richten. Deshalb muss ich auch nicht in meinem eigenen Glaskasten sitzen, um meine Aufgaben zu erledigen. Vielmehr braucht es Flächen, an denen man mit seinen Kollegen zusammenkommen kann. Zum Austausch, aber auch zur Zusammenarbeit. Büros sind für Teams da und nicht als Arbeitsplatz, an dem nicht mehr als die Fokusarbeit von Einzelnen erledigt wird.

Diese machen manche Menschen lieber daheim. Andere nicht, aus nachvollziehbaren Gründen. Es kann dort laut sein oder es gibt anders zu tun, dass man nicht aus dem Blickfeld bekommt. Diese Menschen gehen vielleicht zum Arbeiten in ein Café, die Bibliothek in der Nachbarschaft oder auch in ein Coworking Space. Es gibt so viele Optionen für einen zu einem passenden Arbeitsplatz. Deshalb braucht es kein „Recht auf Büro“ und auch kein „Recht auf Homeoffice“.

Debatte ohne Tiefgang.

Was es wirklich braucht, dass ist die Handlungsfreiheit, selbstbestimmt entscheiden zu können, wann man von wo arbeiten möchte. Dafür braucht es eher ein „Recht auf mobiles Arbeiten“, vor allem aber eine neue Arbeitskultur in den Unternehmen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Medien führen eine Debatte auf dem Stand der 1990er Jahre, wobei die Realität, also eine Realität von vielen, die in der Arbeitswelt existieren, schon weiter ist.

Sogar hierzulande gibt es tolle Beispiele für den Vertrauensarbeitsplatz. Und ja, auch dies wird zu Recht unter dem Beitrag von Amna Franzke kommentiert, gilt dies nur für Leute mit Tätigkeiten, die sich mit einem tragbaren Computer erledigen lassen. Neben einem „Recht auf mobiles Arbeiten“ sollten wir, auch die Medien, diskutieren, wie wir die Arbeitswelt für alle Menschen freier und sinnerfüllter gestalten können. Arbeit ist kein Elitenprojekt.

Darum ging es in dem Kommentar von Amna Franzke nicht, weshalb ich hier nicht weiter darauf eingehen möchte. Wichtig ist aber, und dazu sind wir alle, die berufstätig sind oder es (wieder) werden wollen, aufgerufen, dass wir uns Gedanken dazu machen, wie wir arbeiten wollen. Mit diesen Vorstellungen können wir eine Debatte bereichern und verändern. So können wir, die Zukunft unseres Arbeitsplatzes aktiv mitgestalten.

Screenshot von ZEIT Online.

Von Tobias Kremkau

Tobias Kremkau ist Head of Coworking des St. Oberholz und einer der Mitgründer*innen der German Coworking Federation (GCF), in der er sich seit 2015 ehrenamtlich engagiert.