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Coworking

Ohne Startups, keine Coworking Spaces

Zuletzt wurde ich öfters gefragt, wie es den Coworking Spaces in der Corona-Pandemie geht und warum es denn bisher noch keinen Hilferuf der Coworking-Szene gegeben habe. Die Antworten auf diese beiden Fragen sind nicht einfach. In diesem Beitrag versuche ich zu skizzieren, wie es der Szene geht und warum die Krise erst noch kommen könnte.

Laut um Hilfe zu rufen liegt vermutlich nicht in der Natur unserer Community bzw. wir sind einfach auch noch viel zu klein, um richtig laut um Hilfe zu rufen. Nichtsdestotrotz hat die German Coworking Federation (GCF), quasi der Bundesverband Coworking Deutschland (klingt nur eben nicht so cool wie GCF), aufgrund der Corona-Pandemie viel zu tun.

Die Coworking-Szene
ist angeschlagen.

Die GCF organisiert Corona-Calls für die Betreiber*innen von Coworking Spaces, in denen man sich untereinander über gemachte Erfahrungen, sinnvolle Maßnahmen und vielversprechende Lösungsansätze austauscht. Und sich auch einfach einmal Mut zuspricht. Es wird auch an einem Papier für ein Recht auf mobiles Arbeiten mitgeschrieben (stay tuned).

Seit Anfang März sind die Einnahmen durch Buchungen von Besprechungsräumen und Veranstaltungsflächen weggebrochen. Laut der Global Coworking Survey von 2018 von Deskmag machen diese Einnahmen in Deutschland im Schnitt 20 Prozent des Umsatzes aus. Dies kann von Space zu Space verschieden sein und auch höher ausfallen.

Seit Jahren nimmt der der Flächenanteil für Meetings und Events an den größer werdenden Coworking Spaces zugunsten der Büros ab. Die Teams sind bisher in den Coworking Spaces geblieben. Vereinzelt hat man von Kündigungen gehört, aber so auch von neuen Mitgliedern. Womöglich hält sich das Verhältnis im Gleichgewicht oder ist sogar etwas positiv.

Ohne Startups, keine Coworking Spaces.

Ein aktueller Report, den der Bundesverband Deutsche Startups, Berlin Partner und PWC gemeinsam veröffentlicht haben, zeigt aber auf, dass sich rund 78 Prozent der Startups durch Corona „beeinträchtigt und existenziell bedroht“ sehen. Dies sind Zahlen aus Berlin, sie werden aber in Hamburg, dem Rhein-Ruhr-Gebiet und München ähnlich hoch ausfallen.

Und darin liegt die erst noch auf die deutsche Coworking-Szene zukommende Gefahr. Büros, oft als Private Office bezeichnet, machten laut Deskmag im Jahr 2018 bereits 20 Prozent der Einnahme aus. Ein Jahr später waren es weltweit bereits 30 Prozent und auch in Deutschland steigt die Flächen für Private Offices und der damit generierte Umsatz an.

Das Buchungsgeschäft fährt bei einigen Coworking Spaces langsam wieder hoch, ist aber noch bei einem Bruchteil der Größe von vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Wenn jetzt noch einmal 20-30 Prozent des Umsatzes wegfallen, weil die Teams in den Private Offices zahlungsunfähig sind und ihre Mitgliedschaften beenden müssen, geht es um die Existenz.

Wird die Politik helfen?

Bisher hat kein Coworking Space Entwarnung gegeben, auch wenn die meisten inzwischen glauben, dass sie mit einem blauen Auge und ein paar Schrammen durch die Krise kommen könnten. Eine zweite Krise, die der Startups und der KMUs, wäre aber für die Coworking Spaces in Deutschland tödlich. Ich bin mir unsicher, ob Peter Altmaier das weiß.

Photo by Mariano Mollo on Unsplash.

Von Tobias Kremkau

Tobias Kremkau ist Head of Coworking des St. Oberholz und einer der Mitgründer*innen der German Coworking Federation (GCF), in der er sich seit 2015 ehrenamtlich engagiert.